Depression lässt sich zählen. In Prozenten, Quoten und Millionen. Das klingt erst einmal nüchtern. Fast harmlos. Bis man innehält und sich klarmacht: Das ist jede achte Person.
Nicht „die anderen“. Nicht „irgendwo da draußen“. Sondern die Frau im Supermarkt vor dir. Der Kollege im Meeting. Vielleicht du selbst.
Rund 12–13 % der Bevölkerung sind betroffen. Eine Volkskrankheit – und trotzdem eine der einsamsten. Depression ist häufig. Aber sie bleibt oft unsichtbar. Sie trägt Tarnkleidung: Funktionieren. Lächeln. Durchhalten. Verkrümmeln und verkriechen. Und genau deshalb wird sie so leicht übersehen.
Depression in Zahlen - kurz & klar
12–13 % der Bevölkerung in Deutschland leben mit einer Depression
→ das entspricht rund 9,3 Millionen Menschen (etwa jede achte Person)
Frauen sind häufiger betroffen
→ jede 6.–7. Frau, jeder 11. Mann im Laufe des Lebens
25 % der Erkrankten sind zwischen 55 und 64 Jahre alt
→ rund 2,3 Millionen Menschen (Sandwich-Generation)
Fast jede zweite Familie (≈ 45 %) ist direkt oder indirekt betroffen
Depression im Alter wird oft unterschätzt
→ ab 75 Jahren ist jede vierte Frau und fast jeder sechste Mann betroffen
Auch junge Menschen sind betroffen
→ 1 % Vorschulkinder, 2 % Grundschulkinder, 4,6 % der 10–15-Jährigen
→ 5 % der 20–29-Jährigen haben eine Depression
Vielleicht hast du dir ähnliche Fragen schon gestellt wie in meinem Beitrag „Wenn die Farben fehlen: 10 Fragen zur Depression“. Dieser Text geht einen Schritt weiter.
Er ist kein Statistikbericht. Er ist eine Übersetzung: Von Zahlen in Leben. Von Prozenten in Gefühle. Und er lädt dich ein, genauer hinzusehen.
Das wartet auf dich
Stell dir vor, es ist ein sonniger Frühlingstag. Die Luft ist mild, irgendwo riecht es nach frischem Kaffee und blühenden Bäumen. Du sitzt mit einem Getränk auf einer Parkbank in dem Park bei dir um die Ecke.
Um dich herum ist Leben. Menschen lachen, gehen spazieren, spielen, diskutieren, schauen auf ihre Handys oder einfach nur vor sich hin. Kinder rennen über die Wiese, ältere Menschen sitzen im Schatten, irgendwo klackt eine Tasse auf einem Cafétisch.
Es ist ein ganz normaler Tag. Nichts Dramatisches. Nichts Auffälliges. Und genau das ist der Punkt.
Depression in Zahlen: Wusstest du schon, dass …?
... in Deutschland rund 9,3 Millionen Menschen mit einer Depression leben?
Datenquelle: Wissenschaftliches Institut der AOK; „Gesundheitsatlas Deutschland, Depressionen. Berlin, Oktober 2024 [zitiert: 29. Januar 2026] Verfügbar auf https://gesundheitsatlas-deutschland.de
Wenn du dich in diesem Park umschaust, siehst du vielleicht gut und gerne 100 Menschen. Lass uns für einen Moment anfangen zu zählen.
Rein statistisch betrachtet lebt jede achte Person mit einer Depression. Acht. Nicht irgendwo. Sondern hier. In diesem Park. Kannst du sie erkennen?
Wahrscheinlich nicht. Denn Depression hat kein einheitliches Gesicht. Sie steht nicht auf der Stirn geschrieben. Sie sitzt auf Parkbänken, joggt über Wege, lacht am Cafétisch und schiebt Kinderwagen.
Genau deshalb bleiben die meisten Zahlen abstrakt. Und genau deshalb möchte ich sie hier anders erzählen.
Bleiben wir in diesem Park. Und schauen wir uns an, wer diese Menschen sind, die hinter den Zahlen stehen.
… Frauen häufiger an Depression erkranken als Männer?
Datenquelle: Wissenschaftliches Institut der AOK; „Gesundheitsatlas Deutschland, Depressionen. Berlin, Oktober 2024 [zitiert: 29. Januar 2026] Verfügbar auf https://gesundheitsatlas-deutschland.de
Wenn du deinen Blick weiter über die Wiese schweifen lässt, fällt dir eine kleine Gruppe von Frauen auf. Sie haben ihre Matten ausgerollt, sitzen im Kreis, atmen, bewegen sich langsam. Unterschiedliche Körper, unterschiedliche Gesichter, unterschiedliche Lebensphasen. Die Jüngste vielleicht Anfang zwanzig, die Älteste deutlich über siebzig.
Jede sechste bis siebte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an einer Depression. Das Alter spielt dabei zunächst keine entscheidende Rolle.
Zählst du diese acht Frauen im Park, dann gehört statistisch betrachtet eine von ihnen zu dieser Zahl.
Du wirst sie nicht erkennen. Vielleicht ist es die Frau, die besonders konzentriert wirkt. Vielleicht die, die zwischendurch kurz innehält. Vielleicht aber auch die, die ruhig lächelt und scheinbar ganz bei sich ist. Eine von ihnen hat sich heute mit viel Disziplin und innerer Überwindung aufgerafft, hierherzukommen. Nicht, weil sie keine Lust hatte – sondern weil selbst kleine Schritte manchmal enorm viel Kraft kosten. Vielleicht ist es deine Mattennachbarin. Vielleicht die immer so ausgeglichene Yogalehrerin.
Depression zeigt sich nicht in der Haltung. Nicht in der Beweglichkeit. Nicht im Lächeln. Sie sitzt mit auf der Matte. Still. Unauffällig. Und genau deshalb wird sie so oft übersehen.
… jeder elfte Mann im Laufe seines Lebens betroffen ist?
Datenquelle: Wissenschaftliches Institut der AOK; „Gesundheitsatlas Deutschland, Depressionen. Berlin, Oktober 2024 [zitiert: 29. Januar 2026] Verfügbar auf https://gesundheitsatlas-deutschland.de
Ein paar Schritte weiter, näher am Bolzplatz, ist es lauter. Stimmen, Lachen, schnelle Bewegungen. Eine Gruppe von Männern steht zusammen, einige spielen, andere schauen zu. Unterschiedliche Altersstufen, unterschiedliche Körper, unterschiedliche Leben.
Im Durchschnitt erkrankt jeder elfte Mann im Laufe seines Lebens an einer Depression. Auch hier spielt das Alter zunächst keine entscheidende Rolle.
Wenn du diese Männer im Park siehst, gehört statistisch gesehen einer von ihnen zu dieser Zahl.
Vielleicht ist es der, der besonders ehrgeizig wirkt. Vielleicht der, der einen Witz nach dem anderen macht. Vielleicht aber auch der, der gerade etwas abseitssteht, sich kurz an den Oberschenkel fasst, tief durchatmet und überlegt, ob er heute wirklich hier sein sollte.
Mindestens einer von ihnen hat heute Morgen mit sich gerungen. Ob er aufsteht oder liegen bleibt. Ob er sich aufrafft oder absagt. Ob er etwas sagt – oder lieber nichts.
Du wirst ihn vermutlich nicht erkennen. Denn bei Männern tarnt sich Depression oft besonders gut. Sie versteckt sich hinter Leistung, Funktionieren, Schweigen. Hinter dem Anspruch, stark zu sein, durchzuhalten, keine Schwäche zu zeigen.
Diese Zahl wird häufig missverstanden. Sie sagt wenig über den tatsächlichen Leidensdruck aus – aber viel über Rollenbilder, Erwartungen und darüber, wer sich Hilfe erlaubt und wer nicht. Nicht jede Depression bleibt unentdeckt, weil sie leise ist. Manche bleiben unsichtbar, weil sie nicht sein dürfen.
... jede vierte erkrankte Person ist zwischen 55 und 64 Jahre alt?
Datenquelle: Wissenschaftliches Institut der AOK; „Gesundheitsatlas Deutschland, Depressionen. Berlin, Oktober 2024 [zitiert: 29. Januar 2026] Verfügbar auf https://gesundheitsatlas-deutschland.de
Wenn du deinen Blick weiter durch den Park wandern lässt, fällt dir eine Familie auf, die ein wenig mehr Raum einnimmt als andere. Nicht laut, nicht auffällig – aber präsent. Drei Generationen an einem Tisch, auf einer Bank, auf engem Raum.
Jede vierte erkrankte Person ist zwischen 55 und 64 Jahre alt. Das sind 25 % aller Menschen mit einer Depression – rund 2,3 Millionen. Mehr Menschen, als in Hamburg leben.
Es ist die Lebensphase, die oft als Sandwich-Zeit beschrieben wird. Und wer einmal genau hinschaut, versteht schnell, warum.
In dieser Familie wird es sichtbar: Der Großvater sitzt im Rollstuhl. Die Großmutter wirkt erschöpft. Die Kinder brauchen Aufmerksamkeit, Fragen, Nähe. Und mittendrin die Mutter – sie steht, sitzt, organisiert, hört zu, denkt voraus. Immer gleichzeitig. Immer zuständig.
Diese Generation steht zwischen den Fronten des Lebens:
- Die Eltern werden pflegebedürftig.
- Die eigenen Kinder sind noch nicht selbstständig.
- Gleichzeitig steigt im Beruf die Verantwortung – oder zumindest der Druck, weiter funktionieren zu müssen.
Depression entsteht hier nicht aus Schwäche. Sie wächst aus jahrelanger Überlastung ohne echte Pausen. Es sind die Babyboomer und der ältere Teil der Generation X. Menschen, die groß geworden sind mit Pflichtgefühl, Leistung, Durchhalten. Mit dem unausgesprochenen Versprechen: Später wird es ruhiger. Später ist jetzt – und es ist nicht ruhiger geworden.
Für Gefühle war lange kein Platz. Für Erschöpfung erst recht nicht. Pausen wurden vertagt, Bedürfnisse zurückgestellt, Warnsignale ignoriert. Alles wurde auf später verschoben.
Diese Altersgruppe hält viel zusammen. Familien, Arbeitsstrukturen, Erwartungen. Und oft bricht sie dabei selbst ein Stück auseinander.
... Depression viele Familien betrifft?
Datenquelle: Deutschland-Barometer Depression – Studie der Stiftung Depressionshilfe und Suchtprävention, gefördert von der Deutsche Bahn Stiftung, 2024 [zitiert: 29. Januar 2026] Verfügbar auf https://deutsche-depressionshilfe.de/Foschungszentrum/deutschland-barometer-depression
Ein paar Schritte weiter sitzt ein Paar auf einer Parkbank. Die Stimmen sind gedämpft, die Stimmung angespannt. Einer spricht, der andere schaut weg. Es ist kein lauter Streit. Eher einer von denen, die sich langsam aufbauen – aus Erschöpfung, aus Sorge, aus zu vielen unausgesprochenen Dingen.
Depression betrifft selten nur eine einzelne Person. 45 % der Bundesbürger sind direkt oder indirekt davon berührt. Manche Menschen sind selbst erkrankt. Andere erleben die Krankheit bei einem nahestehenden Menschen. Und ein Teil steht in beiden Rollen zugleich – betroffen und begleitend.
Für viele Betroffene ist die Familie ein wichtiger Halt. Ein Ort, an dem sie sich weniger allein fühlen. Menschen, die erinnern, mittragen, ermutigen, Hilfe anzunehmen. Die den Alltag mit auffangen, wenn selbst kleine Dinge plötzlich zu groß werden: aufstehen, den Haushalt organisieren, einen Termin vereinbaren.
Gleichzeitig ist Depression auch für Angehörige eine große Belastung. Die Sorge um den geliebten Menschen wiegt schwer. Der fehlende Antrieb, der Rückzug, die Hoffnungslosigkeit – all das verändert das Miteinander. Nicht selten entstehen Spannungen. Streit wird häufiger. Manchmal ziehen sich Menschen sogar voneinander zurück.
So wie bei dem Paar auf der Bank. Vielleicht geht es in diesem Moment nicht um den konkreten Anlass. Sondern um Müdigkeit. Um Überforderung. Um das Gefühl, nicht mehr zueinander durchzudringen.
Und doch berichten viele Familien rückblickend auch von etwas anderem: von mehr Offenheit, von tieferen Gesprächen, von einer Nähe, die vorher keinen Raum hatte. Das gemeinsame Aushalten kann verbinden – nicht immer, aber manchmal.
Das Paar wird still. Einer legt dem anderen kurz die Hand auf den Arm. Kein großes Zeichen. Aber ein Moment von Kontakt.
... mit zunehmendem Alter die Häufigkeit von Depression steigt
Datenquelle: Wissenschaftliches Institut der AOK; „Gesundheitsatlas Deutschland, Depressionen. Berlin, Oktober 2024 [zitiert: 19. Dezember 2025] Verfügbar auf https://gesundheitsatlas-deutschland.de
Wenn du weiter durch den Park gehst, fällt auf, was viele übersehen:
Depression ist kein Jugendproblem. Sie verschwindet nicht mit den Jahren. Sie bleibt oft – gerade dann, wenn Belastungen sich summieren und Unterstützung leiser wird.
Auch im höheren Lebensalter ist Depression präsent. Und doch wird sie hier besonders häufig unterschätzt oder fehlgedeutet. Als Altersmüdigkeit. Als Einsamkeit. Als „gehört eben dazu“.
Auf dem Weg kommt dir eine Walkinggruppe entgegen. Fünf Frauen zwischen Mitte fünfzig und Mitte sechzig. Sie gehen im gleichen Tempo, nebeneinander, routiniert. Und doch ist eine von ihnen nur körperlich dabei. Ihre Schritte setzen automatisch auf, während die Gedanken ganz woanders sind. Mehr als jede fünfte Frau in diesem Alter kennt dieses Gefühl.
Ein paar Meter weiter sitzen vier ältere Frauen beim Kaffeeklatsch. Tassen klirren, ein Stück Kuchen wird geteilt, Erinnerungen werden ausgetauscht. Eine von ihnen lacht besonders laut, erzählt besonders viel. Sie lässt sich nicht unterkriegen – und gerade deshalb würde niemand vermuten, wie schwer es sich innen manchmal anfühlt. Ab 75 ist statistisch gesehen jede vierte Frau betroffen.
Auf dem Radweg fahren sechs Männer gemeinsam durch den Park. Gleichmäßig, vertraut, seit Jahren vielleicht. Einer von ihnen ist abgestiegen. Er sitzt auf einer Bank, die Hände locker im Schoß, und schaut den anderen hinterher. Auch Männer sind im Alter betroffen – seltener, aber nicht selten. Fast jeder sechste über 75 kennt diese Schwere.
Depression im Alter ist oft leise. Sie tarnt sich als Rückzug, als Müdigkeit, als Stillwerden. Und genau deshalb wird sie so leicht übersehen.
... niemand zu jung für eine Depression ist?
Datenquelle: Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suchtprävention, Depression in verschiedenen Lebensumständen, Depression im Kindes- und Jugendalter [zitiert: 29. Januar 2026] Verfügbar auf https://deutsche-depressionshilfe/depression-infos-und-hilfe/depression-in-verschiedenen-facetten
Wenn du weiter durch den Park gehst, kommst du am Spielplatz vorbei. Mehrere Kleinkinder sitzen im Sandkasten, bauen, schaufeln, lachen. Eine Betreuerin behält alles im Blick. Am Rand sitzt ein Kind etwas abseits. Es beobachtet die anderen, still, konzentriert, ohne sich einzumischen. 1 % der Kinder im Vorschulalter sind bereit an einer Depression erkrankt. Die Krankheit taucht nicht erst im Erwachsenenleben auf. Sie kann schon sehr früh da sein.
Ein paar Schritte weiter auf der Wiese lassen Grundschulkinder einen Drachen steigen. Der Wind trägt ihn hoch hinauf, bunt, leicht. Die Kinder rennen, rufen, lachen. Und doch ist auch hier nicht jedes Kind gleich unbeschwert. Manche tragen mehr in sich, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Auch hier ist die Zahl mit 2 % zwar klein, aber es ist ein großes Thema. Denn jedes betroffene Kind ist kein Prozent, sondern ein Mensch, der Gefühle erlebt, für die er oft noch keine Worte hat.
Noch ein Stück weiter kommen dir Jugendliche entgegen. Schulranzen auf dem Rücken, Kopfhörer, Gespräche, Gelächter. Einer läuft lautstark vorweg, voller Energie, scheinbar unaufhaltsam. Andere bleiben etwas zurück. In diesem Alter ist vieles in Bewegung – innen wie außen. Und genau deshalb wird Depression hier so leicht übersehen. Im Durchschnitt leidet jedes 22 Grundschulkind an einer Depression. Das ist mindestens ein Grundschüler/eine Grundschülerin pro Klasse.
Schwere Gefühle passen nicht zu dem Bild, das wir von Kindheit und Jugend haben. Dabei ist jedes betroffene Kind kein Prozentwert, sondern ein Mensch mit Empfindungen, für die oft noch die Worte fehlen.
Gerade bei jungen Menschen kommt Depression selten allein. Ängste, Essstörungen, Aufmerksamkeitsprobleme begleiten sie häufig auf einem ohnehin holprigen Weg. Und vieles davon ähnelt auf den ersten Blick dem, was als „normale Entwicklung“ gilt: Rückzug, Gereiztheit, Grübeln, Unzufriedenheit.
Das macht es so schwierig, hinzusehen. Nicht jede depressive Verstimmung ist sofort erkennbar. Nicht jede Veränderung wirkt alarmierend. Viele Familien suchen häufig erst spät Hilfe. Aus Angst vor Stigmatisierung. Deshalb braucht es hier besonders viel Aufmerksamkeit. Geduld. Und Erwachsene, die bereit sind, nicht vorschnell zu bewerten, sondern zuzuhören. Denn auch junge Menschen tragen manchmal mehr, als man ihnen ansieht.
... dass 5 % der 20- bis 29-Jährigen eine Depression haben?
Datenquelle: Robert Koch-Institut. Depressive Symptomatik: Prävalenz (ab 18 Jahre). Gesundheitsberichterstattung des Bundes. 2024 [zitiert: 29. Januar 2026] Verfügbar auf https://gbe.rki.de
Wenn du den Park weiter durchquerst, wird es lauter. Stimmen vermischen sich, Plakate heben sich gegen den Himmel, Schritte setzen entschlossen auf. Eine Gruppe junger Menschen zieht über die Wiese, etwa zwanzig an der Zahl. Sie demonstrieren, diskutieren, lachen zwischendurch, sind laut und sichtbar.
Und doch fällt eine Person auf. Nicht, weil sie anders handelt – sondern weil sie innerlich nicht mithalten kann. In der Menge wirkt sie wie ausgegraut. Anwesend, aber nicht wirklich dabei.
Bei jungen Erwachsenen zwischen 20 und 29 Jahren wird bei rund fünf Prozent eine Depression diagnostiziert. Das klingt überschaubar. Ist es nicht. Denn jede einzelne Geschichte dahinter ist vollständig real.
Es ist ein Lebensabschnitt, in dem eigentlich alles beginnen soll: Studium, Beruf, Beziehungen, Selbstständigkeit, Zukunft. Stattdessen fühlen sich viele ausgebremst. Nicht ernst genommen. Überfordert von Erwartungen, die gleichzeitig widersprüchlich und unerbittlich sind.
Diese Generation ist mit Krisen sozialisiert worden, lange bevor sie richtig erwachsen war. Unsicherheit gehört für sie nicht zur Ausnahme, sondern zum Grundrauschen des Lebens. Und nicht jede Last lässt sich mit Engagement, Lautstärke oder Optimismus ausgleichen.
Die Gruppe zieht weiter. Plakate verschwinden hinter Bäumen. Stimmen werden leiser. Die ausgegraute Person bleibt noch einen Moment stehen – dann geht sie weiter mit den anderen.
Auch das ist Depression. Mitten im Leben. Mitten unter Menschen.
… ich noch stundenlang weitermachen könnte?
Diese Zahlen sind nur ein kleiner Ausschnitt aus den Statistiken rund um das Thema Depression. Es gäbe noch sehr viel mehr Daten, mehr Studien, mehr Vergleiche. Doch an dieser Stelle endet dein Spaziergang durch den Park.
Die Frau auf der Yogamatte.
Der Mann am Rand des Fußballfeldes.
Die überforderte Mutter am Picknicktisch.
Das streitende Paar auf der Bank.
Die ältere Frau, die nur körperlich mitgeht.
Das stille Kind im Sandkasten.
Die junge Person, mitten in der Menge und doch so allein.
Du nimmst dir nichts Großes vor. Kein Versprechen, die Welt zu verändern. Aber du versprichst dir, diese Zahlen nicht einfach wieder zu vergessen. Du willst genauer hinschauen.
In deiner Familie.
In deinem Freundeskreis.
Bei Kolleginnen und Kollegen.
Und vielleicht auch bei dir selbst.
Denn diese Zahlen sind kein Beweis. Sie sind eine Einladung. Eine Einladung, früher zu sprechen. Weniger zu bewerten. Mehr zu begleiten.
Depression braucht kein Drama. Sie braucht Verständnis. Zeit. Und Räume, in denen niemand funktionieren muss.
Depression braucht bunt.
Nicht, um sie schönzureden – sondern um sie sichtbar zu machen.
Und vielleicht beginnt genau das hier.
Auf einer Parkbank.
Mit einer Brezel.
Und einem zweiten Blick.
Ich wünsch dir einen Tag mit ganz viel Leichtigkeit im Herzen.
Deine Stefanie
Diese Zahlen erzählen von Menschen. Von Lebensphasen. Von Belastungen, die sich über Jahre aufbauen. Und sie zeigen vor allem eines: Depression ist längst kein Randthema mehr. Sie betrifft viele – und sie betrifft sie auf sehr unterschiedliche Weise.
Wenn wir all das ernst nehmen, dann stellt sich unweigerlich die nächste Frage: Was bedeutet das für die kommenden Jahre?
Welche Entwicklungen zeichnen sich bereits ab? Wo verschieben sich Bedürfnisse, Versorgungsstrukturen und Erwartungen? Und was braucht es jenseits von Diagnosen und Therapielisten, um Menschen wirklich zu begleiten?
Die Statistiken zeigen nicht nur, wie groß das Thema Depression ist. Sie geben auch Hinweise darauf, wie sich unser Umgang damit verändern muss.
Genau diesen Spuren gehe ich im nächsten Beitrag nach – mit einem Blick auf die Trends 2026: leise Veränderungen, neue Schwerpunkte und das, was jetzt wichtiger wird als je zuvor.
👉 Weiterlesen: Depression 2026 – welche Trends sich abzeichnen
Und ein wichtiger Hinweis zum Schluss
Ich bin keine Ärztin oder Therapeutin – sondern begleite Menschen als Mentorin und Coachin auf ihrem Weg zu mehr Klarheit und Selbstverbindung. Wenn du an einer Depression leidest oder unsicher bist, was gerade mit dir los ist, sprich bitte immer auch mit deiner Ärztin oder Therapeutin.
Meine Angebote dienen der Prävention, Begleitung und Unterstützung, nicht der Behandlung von psychischen Erkrankungen. Sie ersetzen keine Psychotherapie, medizinische oder psychiatrische Behandlung.
Bei akuten psychischen Krisen oder Suizidgedanken wende dich bitte umgehend an eine Ärztin, einen Arzt, eine Psychotherapeutin oder an den Notdienst (Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222).
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