Vielleicht stehst du gerade an diesem Punkt:
Ein neues Jahr liegt vor dir – und in dir fühlt sich trotzdem vieles schwer, müde oder leer an. Während andere von Zielen, Visionboards und „Dieses Jahr wird MEIN Jahr“-Mantras sprechen, denkst du dir vielleicht: Ich wäre schon froh, wenn ich einfach nur irgendwie durchkomme.
Willkommen im echten Leben.
Ein Jahresmotto klingt schnell nach Selbstoptimierung und Druck. Genau deshalb wollte ich diesen Weg anders gehen. Sanfter. Ehrlicher. Und vor allem: depressionssensibel. Diese Anleitung ist keine To-do-Liste für ein besseres Ich. Sie ist eine Einladung. Eine leise. Eine wohlwollende. Eine, die dich nicht antreibt, sondern begleitet.
Sie will dich nicht verändern – sie will dich wieder mit dir verbinden. Mit der Version von dir, die fühlen darf. Und leben will. In ihrem Tempo.
Das wartet auf dich
Warum ein Jahresmotto sinnvoll ist – und warum es auch ohne Leistungsdruck geht
Ein Motto ist für mich so etwas wie ein leiser, aber entschlossener Aufruf. Kein Schlachtruf, kein Getöse – eher ein inneres Aufrichten. Eine kleine Privatrevolution gegen den eigenen inneren Schweinehund, gegen das ewige „Später“, gegen eingefahrene Routinen. Es ist mein persönlicher Slogan. Nicht für die Welt, sondern für mich.
Mein Jahres- und Lebensmotto gibt mir Orientierung. Es zeigt mir, was mir wichtig ist. Wofür ich losgehen will. Woran ich mich ausrichten möchte. Und nicht mehr – wie früher so oft – vor mich hindümpeln und schauen, was mir halt so entgegenkommt. Mein Motto ist für mich ein Leitfaden. Manchmal sogar ein emotionaler Kompass, an dem ich mich orientieren darf, wenn ich unsicher bin oder mich verliere.
Mein Motto 2026 steigert meine Motivation, hilft mir beim Fokussieren und geht weit über starre Neujahrsvorsätze wie „mehr Sport, weniger Zucker“ hinaus. Es ist persönlicher, intensiver und emotionaler.
- Eine Zahl nicht erreicht? „So what – abhaken und weitergehen.“.
- Aber ein Gefühl verfehlt? Das geht tiefer. Das berührt mich. Das arbeitet in mir weiter.
Ich kann mich auf mein Motto zurückbesinnen, wenn ich zweifle. Ich darf Entscheidungen daran ausrichten. Ich kann Routinen, Gewohnheiten und liebgewonnene Rituale hinterfragen – und ehrlich prüfen, ob sie mir wirklich noch dienen. Mein Motto hilft mir, mein Leben nicht nur zu organisieren, sondern es zu leben.
Jahresmotto finden: Eine sanfte Anleitung bei depressiven Phasen
Es gibt viele Anleitungen im Netz, wie du dein Jahresmotto finden kannst. Fast alle starten mit einem Rückblick und gehen dann in den Ausblick.
Ich habe mich bewusst für einen anderen Weg entschieden: Ich bin mit meiner Idee von 2026 gestartet und habe 2025 zunächst ausgeblendet. Einfach, weil ich nicht in der Vergangenheit hängen bleiben wollte, sondern mich innerlich davon lösen und nach vorne schauen möchte.
Gerade in depressiven Phasen ist das kein Trotz. Es ist Selbstschutz.
Schritt 1: Zeit lassen – warum dein Jahresmotto langsam entstehen darf
Es ist noch kein haargenau passendes Motto vom Himmel gefallen. Deshalb: Nimm dir Zeit.
Und damit meine ich nicht nur ein paar Minuten mit einer Tasse Tee, sondern wirklich Zeit. Gerne über mehrere Tage hinweg immer mal wieder ein paar Minuten.
Gerade wenn die Depression zugeschlagen hat, ist es schwierig, dem eigenen Leben eine (neue) Orientierung zu geben. Das darf langsam gehen. Das darf holpern. Das darf Pausen haben.
Schritt 2: Schau nach vorne – wie soll sich dein Jahr anfühlen?
Stell dir Fragen wie:
- Wie will ich mich in diesem Jahr fühlen?
- Wie will ich durch die Tage gehen?
- Wie soll sich ein ganz normaler Dienstag anfühlen?
Schreibe dir die Gefühle, die dir spontan durch den Kopf gehen, auf. Mache eine Liste. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Alles ist erlaubt. Alles darf – nein, muss – aufgeschrieben werden.
Sehr häufig formt sich aus einem Gefühl irgendwann ein Satz. Ein Gedanke. Eine Richtung.
Lass das Ganze anschließend mindestens einen Tag sacken. Denn sonst kann es passieren, dass all die neuen Wunschgefühle von der Vergangenheit platt gemacht werden. Wenn dir zwischendurch noch etwas einfällt: Ergänze die Liste jederzeit. Sie ist nicht abgeschlossen, sie ist in Bewegung.
Schritt 3: Zurückblicken ohne Selbstverurteilung
Schau dir mit emotionalem Abstand an, was im vergangenen Jahr passiert ist. Wenn emotionaler Abstand gerade nicht möglich ist, reicht auch ein vorsichtiges Hinschauen.
Das dürfen Gefühle, Situationen, Gespräche, Ängste und alles ein, was dir sonst noch in den Kopf kommt – positiv und negativ. Auch hier gilt: es gibt kein richtig und kein falsch. Schreib einfach alles auf.
Stelle dir dafür gerne einen Timer, damit du dich nicht in der Vergangenheit und dem ganzen Dunkel der Depression zu verlierst. Es geht nicht ums Wühlen, sondern ums Wahrnehmen.
Lass auch diese Liste wieder mindestens einen Tag liegen und nimm gedanklich noch ein wenig mehr Abstand.
Schritt 4: Klar entscheiden – was 2026 keinen Platz mehr haben soll
Und das meine ich nicht nur bildlich, sondern wirklich und wahrhaftig ernst. Hol dir einen Stift und die Liste der Vergangenheit raus.
Gehe sie Punkt für Punkt durch – streiche all die Erlebnisse, Gefühle, Gespräche, Situationen, etc. die du 2026 auf keinen Fall noch einmal erleben möchtest. Das, was du behalten willst, überträgst du auf deine neue Liste für 2026.
Und dann:
Nimm die Liste, zerknülle sie und werfe sie weg.
Wenn du magst, darfst du sie auch in kleine Schnipsel zerreißen oder verbrennen.
Ganz nach dem Motto (!) „Aus den Augen aus dem Sinn“.
(Nur verletze dich dabei nicht 😉😉)
Jetzt kannst du einen Tag Pause machen oder den Flow mitnehmen und direkt weitermachen.
Schritt 5: Loslassen statt optimieren – was ist wirklich genug?
Hol dir die Liste mit deinen Bildern und Gefühlen für 2026 raus. Und ja: wieder den Rotstift. Lies dir die Liste mit folgender Frage durch: „Wenn ich 2026 nichts „optimieren“ muss – was ist dann genug?“
Streiche alles raus, was bei dir Druck erzeugt. Alles, was nach „Ich muss“, „Man erwartet“, „Das gehört sich“ klingt. Behalte das, was sich wirklich und originär nach dir anhört – und (ganz wichtig) nach dir anfühlt.
Diesen Schritt kannst du gerne mehrmals wiederholen Mit jedem Durchgang wird die Liste kürzer. Klarer. Wahrhaftiger.
Wenn du nichts mehr wegstreichen kannst oder willst, dann leg die Liste weg und mache eine Pause. Die hast du dir verdient.
Schritt 6: Erste Sätze formulieren – vom Gefühl zur Richtung
Wir sind immer noch bei deiner Liste mit den Antworten zu Punkt 2 – bei dem was übriggeblieben ist. Nimm sie zur Hand und versuche daraus einen oder auch mehrere Sätze zu formulieren.
Die Sätze sollen dich motivieren und dir eine Richtung zeigen. Bitte vermeide Bedingungen, komplizierte Konstruktionen und negative Formulierungen.
Mach dabei gerne auch immer mal wieder eine Pause zum Durchatmen und Nachspüren. Der Satz ist für dich und niemanden sonst. Du darfst dir dafür genau die Zeit nehmen, die du brauchst.
Schritt 7: Innerlich Ja sagen – woran dein Körper dein Motto erkennt
Lies dir deine Sätze laut vor und lass sie in dir Nachklingen. Achte auf deine Atmung, deinen Körper, dein Gefühl. Spürst du Enge, Weite, Widerstand, Erleichterung, vielleicht sogar ein kleines Lächeln?
Der richtige Satz fühlt sich oft an wie: „Ah. Ja. Das!“ Nicht wie Euphorie – eher wie Ankommen. Es ist ein bisschen wie die Antwort auf die Frage: „Wofür entscheide ich mich – auch an schlechten Tagen?“
Du kannst dir den Satz auch bildlich vorstellen, aufmalen, aufschreiben, fotografieren, gestalten. Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Aber denk daran: kein Druck. Gefühlte Worte reichen vollkommen.
Hast du etwas gefunden, was dich, ganz genau dich widerspiegelt und wie „A**** auf Eimer“ passt? Herzlichen Glückwunsch – du hast deinen Satz gefunden.
Wenn noch Unsicherheit da ist: kein Problem. Wiederhole diesen Schritt. Oder teste die Sätze im Alltag. Dein Körper weiß oft schneller Bescheid als dein Kopf.
Schritt 8: Dein Jahresmotto verdichten – kurz, klar und tragfähig
Ein gutes Motto ist kurz, prägnant und positiv. Es lässt sich leicht merken und trägt eine stimmige Zukunftsvision in sich.
Nimm jetzt deinen Satz und reduziere ihn auf das Wesentliche. Streiche wieder alles Überflüssige weg. Was bleibt ist dein Motto – deine Orientierung für die kommende Zeit. Erwarte hier keine perfekte Wortschöpfung und keinen Gänsehautmoment. Oft ist es eher ein leises „Ja, das passt“ als ein großes Feuerwerk. Vertraue diesem Gefühl – es ist meist ehrlicher als jeder Gedanke.
Und denke immer daran: ein Mott will reifen. Das braucht Zeit und Geduld.
Schritt 9: Dein Jahresmotto finden lassen – statt es festzulegen
Du kannst sagen:
„2026 steht unter dem Arbeitstitel: [hier kommt dein Satz/dein Motto rein]“
und dir erlauben es im Januar zu prüfen, im Frühjahr zu verfeinern oder ihm eine Unterzeile zu schenken.
Dein Motto ist kein Vertrag und keine Verpflichtung. Es ist eine Einladung. An dich. Für dich. In deinem Tempo. Du darfst es ändern, verwerfen, verfeinern oder neu formulieren. Entwicklung ist kein Scheitern – sie ist ein Zeichen, dass du in Bewegung bist.
Was bleibt – und was ich dir mitgeben möchte
Dein Jahresmotto ist keine Verpflichtung – sondern eine Einladung
Wenn du bis hierher gelesen hast, dann nicht, weil du ein perfektes Jahresmotto suchst. Sondern weil da in dir etwas ist, das sich nach Orientierung sehnt. Nach Sinn. Nach einem kleinen inneren Leuchtturm im Nebel. Und das allein ist schon mutig.
Vielleicht hast du dein Motto schon gefunden. Vielleicht auch nur ein Wort. Ein Gefühl. Eine Ahnung. Und vielleicht ist da auch noch gar nichts – außer der leisen Hoffnung, dass es leichter werden darf. Alles davon ist richtig.
Ich wünsche dir kein spektakuläres Jahr. Kein Instagram-Jahr. Kein „Wow, was für eine Transformation“-Jahr Ich wünsche dir ein ehrliches Jahr.
Eines, in dem du dich öfter spürst als bewertest.
Eines, in dem du dich ernst nimmst.
Eines, in dem du dich nicht verlässt.
Dein Motto ist kein Versprechen an die Welt. Es ist eine Hand, die du dir selbst reichst. Und wenn du sie manchmal nicht greifen kannst – dann ist das kein Scheitern. Dann ist das menschlich. Und genau dafür ist sie da.
Nicht perfekt. Aber lebendig. Mit allem, was da ist.
Deine Stefanie
Noch Fragen?
Wenn du gerade mitten in einer Krise steckst und versuchst, in der Depression Sinn zu finden, bist du nicht allein. Hier beantworte ich dir ein paar häufige Fragen rund um Werte, innere Orientierung und kleine Schritte zurück zu dir selbst.
Was ist ein Jahresmotto – und worin unterscheidet es sich von Neujahrsvorsätzen?
Ein Jahresmotto ist kein Ziel und keine To-do-Liste. Es beschreibt eine innere Haltung oder ein Gefühl, an dem du dich ausrichten möchtest. Während Neujahrsvorsätze oft auf Leistung und Veränderung abzielen, darf ein Jahresmotto begleiten, erinnern und Halt geben. Es fragt nicht: „Was muss ich erreichen?“, sondern: „Wie möchte ich leben – auch an schweren Tagen?“
Wie finde ich ein Jahresmotto, wenn es mir gerade richtig mies geht?
Dann gilt erst recht: langsam und sanft. Ein Jahresmotto muss nicht kreativ, positiv oder ambitioniert sein. Oft entsteht es aus einem Bedürfnis – nach Ruhe, Ehrlichkeit, Entlastung oder Stabilität. Nimm dir Zeit, höre auf dein Gefühl und erlaube dir, klein zu denken. Auch ein einzelnes Wort oder eine leise Richtung kann ein vollständiges Motto sein.
Muss mein Jahresmotto positiv, motivierend oder „kraftvoll“ formuliert sein?
Nein. Ein gutes Jahresmotto muss sich stimmig anfühlen – nicht stark, nicht optimistisch, nicht instagramtauglich. Gerade in depressiven Phasen darf ein Motto nüchtern, schlicht oder vorsichtig sein. Entscheidend ist nicht die Wirkung nach außen, sondern die Resonanz in dir. Ein ehrliches Motto trägt oft weiter als ein „positives“, das innerlich Druck macht.
Was mache ich, wenn sich mein Jahresmotto im Laufe des Jahres nicht mehr stimmig anfühlt?
Dann darfst du es verändern. Ein Jahresmotto ist kein Vertrag, sondern eine Einladung. Wenn sich etwas verschiebt, zeigt das Entwicklung – kein Scheitern. Du kannst dein Motto anpassen, erweitern oder loslassen. Manchmal war es nur für einen Abschnitt gedacht. Auch das ist richtig. Wichtig ist nicht, festzuhalten, sondern ehrlich mit dir zu bleiben.
Und ein wichtiger Hinweis zum Schluss
Ich bin keine Ärztin oder Therapeutin – sondern begleite Menschen als Mentorin und Coachin auf ihrem Weg zu mehr Klarheit und Selbstverbindung. Wenn du an einer Depression leidest oder unsicher bist, was gerade mit dir los ist, sprich bitte immer auch mit deiner Ärztin oder Therapeutin.
Meine Angebote dienen der Prävention, Begleitung und Unterstützung, nicht der Behandlung von psychischen Erkrankungen. Sie ersetzen keine Psychotherapie, medizinische oder psychiatrische Behandlung.
Bei akuten psychischen Krisen oder Suizidgedanken wende dich bitte umgehend an eine Ärztin, einen Arzt, eine Psychotherapeutin oder an den Notdienst (Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222).
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