Ein neues Jahr beginnt für viele mit Erwartungen, Vorsätzen und dem Wunsch nach Veränderung. Gerade wenn depressive Phasen zum eigenen Leben gehören, entsteht dabei oft ein innerer Abstand zu all dem Neujahrstrubel. Umso wertvoller ist eine leise, stimmige Orientierung, die sich am eigenen Erleben ausrichtet. Genau die richtige Zeit für mein Motto 2026.
Für mich beginnt das Jahr deshalb mit einer anderen Frage: Wie will ich mein Leben leben? Nicht irgendwann, sondern jetzt. Mit dem, was da ist. Mit dem, was möglich ist.
Aus dieser Frage ist mein Jahresmotto entstanden. Ein Satz, der mich begleitet, mir Richtung gibt und mich immer wieder zu mir zurückführt. Ein Motto darf Halt geben, Klarheit schaffen und Entscheidungen erleichtern – gerade in Zeiten, in denen Energie und Zuversicht schwanken.
In diesem Beitrag teile ich mein persönliches Motto für 2026 und zeige dir im begleitenden Beitrag (coming soon) eine sanfte, alltagstaugliche Anleitung, wie du dein eigenes Jahresmotto finden kannst. Achtsam. Ehrlich. In deinem Tempo.
Das wartet auf dich
Es ist schlicht, aber alles andere als banal. Es ist eine bewusste Entscheidung für mich. Für Präsenz, Genuss und echte Erfahrungen. Für Autonomie. Und gegen das ständige „Funktionieren“ für die Erwartungen anderer.
Ich stehe im Mittelpunkt meines Lebens. Nicht aus Egoismus, sondern aus Verantwortung. Mein Leben gehört mir. Punkt.
Mein Leben leben
Für mich ist das ein wunderbares, lebensbejahendes Motto. Eines, das weit ist. Weich. Tragfähig. Wie ein Dach, unter dem ich spielen und wachsen darf. Unter dem ich leise oder laut sein kann. Unter dem ich stolpern, lernen, lachen und jeden Tag ein kleines Stück klarer werden darf.
Dies sind die Nuancen meines Mottos
Ein Motto ist kein starres Konstrukt. Es lebt, atmet und zeigt sich im Alltag oft in unterschiedlichen Facetten. Je nach Situation, Stimmung oder Lebensbereich braucht es manchmal eine andere Betonung. Deshalb hat mein Jahresmotto für mich mehrere Nuancen – wie kleine Untertitel, die mir im Alltag Orientierung geben.
Der Genießer-Ansatz
Mein Leben leben - mit allen Sinnen genießen.
… heißt für mich, wieder zu schmecken, zu spüren, zu hören und zu fühlen. Nicht perfekt, nicht ständig achtsam, sondern echt. Kleine Momente wahrnehmen, statt sie zu übergehen. Leben nicht auf später verschieben – sondern ihm jetzt begegnen. Mit allem, was da ist.
Der Mut-Ansatz
Mein Leben leben - statt nur dabei sein
… bedeutet für mich, nicht am Rand zu stehen und abzuwarten. Nicht alles zu beobachten, zu analysieren oder innerlich aufzuschieben. Sondern mutig einzutreten ins eigene Leben. Entscheidungen zu treffen. Erfahrungen zu machen. Und mich selbst darin ernst zu nehmen.
Der Fokus-Ansatz
Mein Leben leben - im Hier und Jetzt
… heißt für mich, aufzuhören, auf bessere Zeiten zu warten. Nicht ständig vorauszudenken oder zurückzublicken. Sondern diesen Moment ernst zu nehmen. Denn nur hier kann ich fühlen, entscheiden, gestalten. Das Leben findet nicht später statt – sondern genau jetzt.
Der Freiheits-Ansatz
Mein Leben leben - nach meinen eigenen Regeln
… bedeutet für mich, mich weniger an Erwartungen zu orientieren und mehr an mir. Nicht alles richtig zu machen, sondern stimmig. Meine Maßstäbe gelten zu lassen. Verantwortung für mich zu übernehmen – und mir zu erlauben, meinen eigenen Weg zu gehen.
Wie ich dieses Motto 2026 mit Leben füllen werde
Dieses Motto bedeutet für mich konkret:
Vom „Sollte“ zum „Will“
Ich werde weniger Dinge tun, weil ich meine, dass ich sie tun müsste. Ich lasse mich nicht mehr vom gesellschaftlichen Druck, vom Optimierungswahn auf Social Media oder von der Frage „Was denkt mein Gegenüber jetzt über mich?“ leiten.
Es geht um das, was ich will. Um das, was mir guttut und um das, was für mich ist.
Radikale Präsenz
Die Vergangenheit kann ich nicht ändern. Die Zukunft kann ich nur begrenzt planen. Das Leben findet JETZT statt. Der einzige Moment, den ich tatsächlich beeinflussen kann, ist dieser hier.
Am Ende meines Lebens kann ich keine Verlängerung beantragen. Ich schenke mir mehr bewusste Momente. Mehr von dem, was ich wirklich will. Nicht irgendwann – sondern jetzt.
Grenzen setzen
Eine meiner großen Stärken ist, dass ich mich in fast jeden Menschen hineinversetzen kann. Ich finde für nahezu jedes Verhalten eine Erklärung. Nichts geschieht aus dem Nichts – es gibt immer eine Geschichte dazu. Und genau diese Fähigkeit führt dazu, dass ich viel zu viel akzeptiere. Dass ich die Grenzen anderer sehe und respektiere – meine eigenen aber aus Höflichkeit, Verständnis oder alter Gewohnheit überrennen lasse.
Mein Jahresmotto unterstützt mich dabei, früher STOP zu sagen. Meine Grenzen zu wahren. Denn ich bin dafür verantwortlich, dass es mir gut geht – nicht erst die anderen.
Mögliche Leitfragen für mein Jahr
Um dieses Motto lebendig zu halten, stelle ich mir regelmäßig diese Fragen:
- Treffe ich diese Entscheidung für mich – oder um niemanden zu enttäuschen?
- Was würde ich heute tun, wenn niemand zusieht oder bewertet?
- Welcher Teil meines Lebens fühlt sich gerade wie eine Kopie von jemand anderem an?
- Worauf habe ich jetzt gerade so richtig Lust?
Warum gerade dieses Motto?
Ich neige dazu, mein Leben so zu leben, als wäre es ein Testlauf. Als könnte ich alles noch einmal wiederholen. So lange üben, bis ich es perfekt kann – und dann erst richtig loslegen.
Bevor ich mit „Leben“ beginne, muss ich noch a, b, c … erledigen. Wenn dies und das geschafft ist, darf ich mir etwas Besonderes gönnen. Als wäre Leben eine Belohnung für geleistete Arbeit. Ist es aber nicht. Leben läuft parallel.
Die Yogis sagen, wir bekommen nur eine bestimmte Anzahl an Atemzügen. Wir sollten achtsam damit umgehen – nicht sparsam oder geizig, denn aufsparen können wir sie nicht. Wir können sie nur bewusster nutzen.
Und genauso ist es mit dem Leben. Wir haben nur eine bestimmte Zeit. Aufsparen für irgendwann geht nicht. Wir müssen sie jetzt nutzen. Nicht nur verbrauchen.
In meinen depressiven Phasen würde ich meine Zeit am liebsten abgeben, damit sie schneller vorbei ist. Außerhalb dieser Phasen verbrauche ich sie eher. Und genau das soll sich unter diesem Motto verändern. Es soll ein bewusstes Verwenden, ein sinnvolles Einsetzen werden.
Mut statt Couch-Nische
Eines meiner größten Themen ist, dass ich nicht so gerne etwas wage. Ich bleibe bei dem, was ich schnell kann. Was mir leicht von der Hand geht. Worin ich glänzen kann, ohne viel zu lernen oder zu trainieren. Das ist bequem. Sicher.Und – wie ich feststellen musste – laaaaaangweilig.
Ich habe mir meine gemütliche Couch-Nische eingerichtet. Mein Alltag ist gut strukturiert. Überschaubar. Ruhig. Und gleichzeitig: Stillstand.
Dabei gibt es so viele Dinge in dieser Welt, die ich bewusst erleben möchte. Für die ich mir Zeit nehmen will. Und wenn nicht jetzt – wann dann?
Oder um es mit dem berühmten Kalenderspruch zu sagen:
„Die beste Zeit ist jetzt.“
Kalenderspruch
Das ist mein Dreiklang für 2026
Damit es nicht nur ein Lippenbekenntnis bleibt, habe ich mir parallel zu meinem Motto auch meine Herzensziele 2026 und – zum ersten Mal in meinem Leben – meine Bucketlist geschrieben.
Herzensziele 2026 – Meine Pläne für dieses Jahr
Mein Motto 2026 – Das Leben leben!
Was bleibt - und was ich dir mitgeben möchte
Am Ende geht es nicht um das perfekte Motto. Nicht um den schönsten Satz oder die klügste Formulierung. Es geht darum, dass sich etwas in dir sortiert. Dass du spürst: Das bin ich. Dafür gehe ich.
Ein Jahresmotto darf begleiten, erinnern, auffangen. Es darf sich verändern, leiser werden oder an Tiefe gewinnen. Es ist kein Versprechen an die Zukunft, sondern eine Entscheidung für den jetzigen Moment.
Wenn du aus diesem Beitrag etwas mitnimmst, dann vielleicht das: Du musst dein Leben nicht erst „im Griff haben“, um es zu leben. Orientierung entsteht oft im Gehen. Schritt für Schritt. In deinem Tempo.
Und vielleicht ist dein Motto genau das – ein stiller Satz, der dich immer wieder freundlich an dich selbst erinnert.
Nicht perfekt. Aber lebendig. Mit allem, was da ist.
Deine Stefanie
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