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  • Sommerdepression: Wenn die Sonne brennt, aber die Seele friert

    Sommerdepression: Wenn die Sonne brennt, aber die Seele friert

    Der Sommer 2026 ist Geschichte – und wenn ich ehrlich bin, bin ich nicht traurig darüber. Während draußen die Temperaturen unbarmherzig kletterten und gefühlt die ganze Welt gut gelaunt im Biergarten saß oder Urlaubsfotos postete, habe ich vor allem eines getan: versucht zu überleben. Dieser Sommer war für mich eine physische und psychische Zerreißprobe. Er war heiß, drückend und von einer Sommerdepression gelähmt, die sich heimtückisch unter dem Deckmantel von „Es ist einfach zu heiß für alles“ breitgemacht hat.

    Aber der Reihe nach. Dieser Rückblick ist für mich dreierlei:

    • Eine ehrliche Erinnerung an mich selbst,
    • ein authentischer Impuls für all die wunderbaren Frauen in der Lebensmitte, die sich manchmal genau so unsichtbar und erschöpft fühlen wie ich,
    • und ein Kompass für die kommenden Monate.

    Denn jetzt steht der Herbst vor der Tür – meine absolute Lieblingsjahreszeit – und mit ihm die Motivation, die Enge der Couch zu verlassen und mein Leben wieder in lebendigem Orange erstrahlen zu lassen.

    Das Wichtigste zuerst: Zahlen, Fakten & Sommer-Realität

    Highlight & Flop des Sommers

    Mein größtes Highlight? Ganz banal: Ich habe diesen Sommer überlebt. Trotz physischer Hitzerekorde und psychischer Grenzerfahrungen stehe ich am Ende dieses Quartals auf meinen eigenen Beinen. Der Flop war ohne Frage mein Redaktionsplan. Ich hatte mir so viel vorgenommen, wollte Beiträge vorproduzieren, Reels drehen und meine Social-Media-Präsenz ausbauen. Das Ergebnis? Eine unerbittliche Schreibblockade, die mich von Juli bis August kein einziges neues Wort in den Computer tippen ließ.

    Zahl des Monats: 40 Grad

    40 Grad Hitzerekord. Eine solche Temperatur habe ich in meinen 56 Lebensjahren in Deutschland noch nie persönlich erlebt – und ich kann dankend darauf verzichten, das jemals zu wiederholen. Wenn das Thermometer solche Höhen erreicht, schmilzt meine Energie noch schneller als ein Kugel Eis in der Sonne.

    Der 90-Euro-Knall zum Start ins zweite Halbjahr

    Das zweite Halbjahr startete direkt mit einem Paukenschlag: Die Wohnungstür fiel hinter mir ins Schloss. Der Schlüssel? Steckte natürlich von innen. Da stand ich nun, schaute mir meine eigene Tür von außen an und durfte knapp 30 Minuten auf den Schlüsseldienst warten. Der brauchte für das Öffnen nicht einmal eine Minute. Kostenpunkt für diesen kurzen Schreck moment: exakt 90 Euro. Mein Learning daraus: Wenn ich die Wohnung verlasse, vergewissere ich mich lieber dreimal, dass der Schlüssel in der Tasche ist.

    Kindheitserinnerungen an Föhr vs. Sommerdepression

    Ich bin ehrlich: Ich war noch nie eine große Freundin des Sommers. Schon in meiner Kindheit in Schleswig-Holstein war mir diese Jahreszeit eher suspekt. Während Mitschülerinnen von aufregenden Reisen nach Italien, Spanien oder Flugreisen erzählten, fuhren wir jedes Jahr nach Föhr. Drei Wochen Ferienwohnung in Wyk, Sand zwischen den Zehen, Strandkorb und mindestens zwei Wochen Schietwetter. Das Spannendste an der Anreise war die Frage, ob unsere Fähre ein Bordrestaurant über oder unter Wasser hatte. Heute mag ich das Berechenbare der Insel zwar ganz gerne, aber damals war es für mich die pure Unspektakularität. Im August, wenn es in Norddeutschland endlich mal warm wurde, saß ich schon wieder in der Schule.

    Später in meinen 20ern und 30ern war ich so sehr im Funktionsmodus gefangen, dass der Sommer an mir vorbeirauschte. Und heute, nach vielen Jahren in Franken, spüre ich den Druck dieser Jahreszeit intensiver denn je. Im Sommer gibt es dieses ungeschriebene Gesetz: Du musst gut gelaunt sein, Grillen (furchtbar!), Biergärten besuchen und das Leben genießen. Wenn ich dann als alleinlebende Frau mit einer Sommerdepression zu Hause sitze, fühle ich mich doppelt falsch. Die Sommerdepression gaukelt mir vor, ich verpasse das ganze Leben, während mein Nervensystem schlicht überfordert ist.

    Gesundheit, Therapie & Grenzen setzen

    Die vergangenen Monate haben mir meine persönlichen Grenzen deutlicher aufgezeigt als je zuvor. Jahrelang war ich darauf konditioniert, zu funktionieren und unangenehme Situationen einfach runterzuschlucken. Meine alten Glaubenssätze meldeten sich in Dauerschleife: 

    • Stell dich nicht so an.
    • Reiß dich zusammen.
    • Nimm dich nicht so wichtig.
    • Augen zu und durch.

    Grenzen wahren in der Physiotherapie

    Bei einer Physiotherapie-Sitzung kam es diesen Sommer zu einer deutlichen Grenzüberschreitung, die mich tief erschüttert hat. Früher hätte ich das Thema totgeschwiegen und mich gefragt, ob ich nicht überreagiere. Diesmal habe ich erkannt: Wenn mir etwas unangenehm ist, habe ich das Recht, „Stop“ zu sagen. Ich darf Situationen ansprechen, verändern oder mich komplett entziehen. Das war ein schmerzhaftes, aber enorm wichtiges Learning auf meinem Weg aus der Anpassung. Die Physiotherapiepraxis wird künftig gewechselt.

    Der Entschluss zur Tagesklinik

    Aufgrund meiner Sozialphobie und der anhaltenden Erschöpfung habe ich gemeinsam mit meiner Neurologin und Therapeutin den Entschluss gefasst, Hilfe in einer Tagesklinik in Anspruch zu nehmen. Vor einigen Jahren hätte ich den kompletten Papierkram und die Telefonate an einem einzigen Tag erledigt. Heute brauche ich dafür Wochen. Meine Depression macht mich einfach langsam – und ich lerne akzeptieren, dass das okay ist.

    Arztfrust & Konsequenzen

    Auch der Versuch, ein einfaches großes Blutbild bei einer Allgemeinmedizinerin zu bekommen, wurde zum Geduldsspiel: Wochenlange Wartezeiten, Verkaufsveranstaltungen für kostenpflichtige Zusatzleistungen, ein versauter Rock durch eine schlecht abgedichtete Einstichstelle und am Ende die Auswertung des völlig falschen (kleinen) Blutbildes. Mein Entschluss steht fest: Ich suche mir eine neue Hausarztpraxis, in der ich als Mensch wahrgenommen werde.

    Abschied von toxischen Altlasten

    Ein echter Befreiungsschlag gelang mir beim Thema Kontakte. Ein Bekannter aus meiner Klinikzeit (2024) meldete sich regelmäßig nur, wenn er ein Ventil für seine eigenen Probleme brauchte. Als er plötzlich aus dem Nichts persönlicher werden wollte und ich nach seinen Hintergründen fragte, reagierte er passiv-aggressiv und blockierte mich. Anstatt mir wie früher Tag und Nacht den Kopf zu zerbrechen („War ich unhöflich? Brauchte er Hilfe?“), spürte ich nach kurzer Zeit nur noch Erleichterung. Ich habe den Kontakt gelöscht und einen Schlussstrich gezogen. Das Eisblau weicht langsam der Selbsterkenntnis.

    Business & Content-Strategie: Zwischen Schreibblockade und Neusortierung

    Arbeitstechnisch war dieser Sommer ein ständiges Pendeln zwischen kreativen Ideen im Kopf und absoluter Lähmung bei der Umsetzung. Ich habe unzählige Stunden damit verbracht, mit meiner KI Ideen durchzusprechen, Notion-Datenbanken zu verfeinern und Farbpaletten zu planen. Auf dem Papier landete jedoch monatelang nichts. Die enge Verbindung zwischen Couch und Hintern schien untrennbar zu sein.

    Technischer Neuanfang & der WordPress-Virus

    Doch hinter den Kulissen hat sich technisch viel getan. Ich habe mich von Microsoft Office verabschiedet und nutze nun das Google Universum als zentralen Sparringspartner. Im August folgte dann der Super-GAU: Meine Website wurde von einem hartnäckigen WordPress-Virus befallen. Nichts ging mehr. Nach tagelangem Experimentieren gab es nur eine Lösung: Die komplette Seite plattmachen und neu aufsetzen. Nach zwei Wochen intensiver Arbeit war die Website wieder online – und der Wechsel vom Elementor-Editor zum Gutenberg-Editor vollzogen. Auch wenn mir Elementor nach fünf Jahren vertraut war, klappt der Austausch zwischen Google Docs und Gutenberg einfach viel geschmeidiger.

    Blog-Buddies & Community-Gedanken

    Ein großer Lichtblick waren meine Blog-Buddies. Obwohl mir soziale Kontakte im Sommer oft zu viel waren, haben mich die 1:1-Austausche inspiriert und geerdet. Großgruppen-Coachings rauben mir oft die Energie, aber der persönliche Austausch auf Augenhöhe ist unbezahlbar. In mir reift langsam die Idee heran, nach meiner Zeit im TCS-Netzwerk eine eigene kleine, feine Blog-Community für Frauen aufzubauen, die sich gegenseitig stärken.

    Alltag, Haushaltsmanagement & Ben

    Wenn die Energie im Innen fehlt, fällt der Blick auf das Äußere oft doppelt schwer. In meiner Wohnung gab es zwei große Baustellen, die mir schon lange ein Dorn im Auge waren: die Küchenschränke und mein digitaler Datenmüll.

    Radikalschlag im digitalen & analogen Alltag

    An einem der heißesten Tage des Sommers habe ich mich endlich an die Küche getraut. Ich habe abgelaufene Vorräte entsorgt und Utensilien für den Secondhand-Laden aussortiert.

    Noch drastischer war ich bei meiner digitalen Ablage: Über die Jahre hatten sich knapp 1.000 Dateien mit Zitaten, Sprüchen und alten Newslettern angesammelt. Statt wertvolle Rechenleistung zu verschwenden, um alles von der KI taggen zu lassen, habe ich den Entschluss gefasst und alles gelöscht. Es war ein befreiendes Gefühl! Neues Wissen wird jetzt sofort strukturiert in Notion abgelegt.

    Nur mein Kleiderschrank bleibt vorerst mein Endgegner. Zu vielen Kleidungsstücken gehören Erinnerungen an vergangene Zeiten, und der Wunsch, wieder in alte Größen hineinzupassen, lässt mich noch zögern.

    Hund Ben: Taktgeber, Seelentröster & Therapiehund

    Mein treuester Begleiter durch diesen heißen Sommer war mein Hund Ben. Er war der absolute Taktgeber für meinen Tag. Wegen der extremen Hitze mussten wir unsere großen Runden auf die frühen Morgenstunden zwischen 6 und 8 Uhr verlegen. Mittags ging es nur kurz um den Block und abends erst nach 21 Uhr wieder raus. Ben ist freiwillig in die Badewanne gesprungen, um sich abzukühlen, und wir haben gelernt, jeden Schattenfleck bewusst zu nutzen.

    Besonders stolz bin ich darauf, dass Ben seit Juni als Therapiehund im Einsatz ist. Nach einem kurzen Fehlstart in einer Einrichtung sind wir seit Juli regelmäßig in einem Demenzzentrum unterwegs. Trotz der Sorge um sein Auge (eine erneute Operation steht im Raum) gibt uns dieser Einsatz im Demenzzentrum so viel positive Energie zurück. Ben bringt Leben und Lächeln in den Alltag der Menschen – und das erwärmt auch mein Herz.

    Mindset, Minimalismus & Ausblick auf den Herbst

    Dieser Sommer hat in mir eine tief sitzende Sehnsucht geweckt: Der Wunsch nach einem radikalen Neuanfang. Ich möchte den ganzen Ballast meines bisherigen Lebens hinter mir lassen. Das Gedankenspiel, bei einem eventuellen Umzug in den Norden nur mit einem Kleintransporter voll Technik und Kleidung zu starten und Möbel sowie altes Hab und Gut komplett zu verkaufen oder zu verschenken, nimmt immer konkretere Formen an. Minimalismus bedeutet für mich Freiheit.

    Ich habe lange genug mit mir, meinem Mindset und den ständigen Fragen gekämpft: „Kann ich das? Reicht das? Braucht das jemand?“ Ich habe erkannt, dass die Perfektionsfalle mich lähmte. Doch jetzt, wo die Tage kürzer werden und die Luft frischer wird, spüre ich, wie die Lebensgeister zurückkehren. Das eisblaue Erstarren löst sich auf und macht Platz für ein warmes, lebendiges Orange.

    Ausblick, Ziele & Community-Frage

    Ich starte in den Herbst mit klarer Ausrichtung und ohne übertriebenen Druck, aber mit dem festen Willen, sichtbar zu werden und meine Impulse zu teilen.

    Mein Motto für die kommenden Wochen

    „Das Leben leben – mutig, bunt und in meinem eigenen Tempo.“

    Meine 3 konkreten To-Dos im Business

    • Wieder regelmäßig schreiben: Den Blog mit authentischen Inhalten füllen und die Schreibblockade endgültig verabschieden.
    • Social Media mit Freude gestalten: Instagram und Reels nicht als Zwang sehen, sondern als spielerische Möglichkeit für echte Verbindungen.
    • Ein erstes Freebie fertigstellen: Einen wertvollen, bunten Impuls für alleinstehende Frauen in der Lebensmitte kreieren.

    Meine 3 konkreten To-Dos in meinem Leben

    • einmal im Monat Kino, in die Oper, ein Konzert oder ins Theater gehen
    • einmal in der Woche alleine ein Cafe oder Restaurant besuchen
    • einmal am Tag etwas nur für mich machen (Sport, Lesen, Nichtstun)

    Meine Frage an dich

    Wie war dein Sommer 2026? Hast du dich auch durch heiße Tage und mentale Tiefs gekämpft oder konntest du Energie tanken? Und vor allem: Welches Gefühl oder welche Farbe wünschst du dir für deinen Herbst? Schreib es mir unbedingt in die Kommentare – ich freue mich auf den Austausch mit dir!

  • Die Anatomie des Funktionierens: Rüstung ablegen bei funktionaler Depression

    Die Anatomie des Funktionierens: Rüstung ablegen bei funktionaler Depression

    Guten Morgen! Schnapp dir deinen Kaffee und nimm dir einen kurzen Moment Zeit für dich.

    Das Hinterhältige an einer funktionalen Depression ist, dass ihre Symptome im Alltag keine Spuren im Außen hinterlassen. Du meisterst den Alltag, lieferst im Job verlässlich ab und organisierst dein Leben bis ins kleinste Detail – während tief im Inneren eine bleierne Schwere liegt. Nach außen hin wirkt alles makellos, doch hinter den Kulissen läuft ein ununterbrochener Kampf gegen eine unsichtbare Krankheit. Du brichst nicht zusammen. Du funktionierst einfach immer weiter, bis die Rüstung irgendwann so schwer wird, dass sie dich erdrückt.

    Das Rüstungs-System bei hochfunktionaler Depression beschreibt die Strategie, psychischen Leidensdruck durch extreme Leistungsfähigkeit und Perfektionismus nach außen hin zu kompensieren. Nach Außen wirkt alles fast immer makellos.

    Kurz & Knapp

    Du möchtest direkt zum Kern springen? Sehr gerne. Hier sind die wichtigsten Punkte auf einen Blick

    • Das Problem: Bei einer funktionalen Depression zeigen sich die Symptome im Alltag oft nicht durch einen Zusammenbruch, sondern durch Perfektionismus, Funktionieren und eine makellose Fassade.
    • Das Warnsystem: Nackenstarre, Kopfschmerzen oder Skin Picking sind körperliche Alarmsignale, die lange vor dem Geist auf Überlastung hinweisen.
    • Die Fallstricke: Klassische Depressions-Tipps (mehr Struktur) bewirken oft das Gegenteil, weil Struktur zum Instrument von noch mehr Leistung wird.
    • Der Ausweg: Mit der 1-2-3-Methode, Mikro-Pausen und radikalen Notfall-Stopps schützt du deine Energie zu deinen eigenen Bedingungen.

    Das ist die Theorie im Schnelldurchlauf. Doch wie fühlt sich so ein Tag in der Praxis an?

    Wenn du wissen willst, wie meine Rüstung morgens im Detail aussieht, wie unerbittlich das Programm im Hintergrund wirklich läuft und wie der emotionale Boxenstopp am Abend aussieht, nimm dir jetzt die Zeit für den ganzen Text. Tauchen wir gemeinsam ab in den Maschinenraum – Wort für Wort.

    Wie erkenne ich den Wandel vom blinden Funktionieren zum bewussten Umgehen?

    Der Wandel beginnt nicht mit einem großen Erleuchtungsmoment, sondern wenn du erkennst, dass klassische Tagesstrukturen deine Überlastung nur noch weiter befeuern. Die ersten Versuche, aus diesem Hamsterrad auszusteigen, waren wie neu Gehen zu lernen: holprig, zäh und wahnsinnig zeitaufwändig. Im Kopf war mir alles klar, und doch fiel ich immer wieder in die alten Muster.

    Der Wendepunkt kam nicht als der eine große Moment der Erleuchtung. Es waren viele kleine Tropfen, die das Fass stetig gefüllt haben. Ein prägender Moment war im August 2023: Ich saß nach einer banalen E-Mail wie ein Häufchen Elend in der Büroecke und habe Rotz und Wasser geheult. Im August 2023 führte die Dauerbelastung aus Erstjob, Zweitjob und der Aufrechterhaltung der Fassade schließlich zum emotionalen Zusammenbruch im Büro. Ich hatte mich mit Ach und Krach über Monate geschleppt. Aufstehen war eine Mammutaufgabe. Neben meinem Teilzeit-Job forderte mich mein Zweitjob als Inhaberin eines Frauenfitnessstudios komplett. Zu Hause brach ich zusammen, funktionierte für den Hund und die Wohnung jedoch sauber weiter.

    Ich war jahrzehntelang die brave Tochter, die verlässliche Mitarbeiterin, die kompetente, immer fröhliche Fitnesstrainerin. Nach dem Klinikaufenthalt im Frühjahr 2024 und der späteren Insolvenzabwicklung des Studios stand ich vor der Trümmerfrage: Wer bin ich eigentlich, wenn ich nicht funktioniere?

    Je mehr ich mich mit mir beschäftigte, desto klarer wurde mir: Um bei einer funktionalen Depression den Ausweg zu finden, musste ich aufhören, meine eigenen Schmerzgrenzen zu übergehen. Die klassischen Ratschläge für Depressionen – zurück in die Struktur zu finden – bewirkten bei mir das Gegenteil. Struktur bedeutete für mich: Funktionieren, perfekt sein, alles noch schneller und besser machen. Ich musste lernen, die Maske abzulegen. Das fühlte sich anfangs an wie ein Pflasterabreißen – schnell, schmerzvoll und voller Angst vor der eigenen Verletzlichkeit. Das schlechte Gewissen war ein Dauergast. Heute weiß ich: Radikale Sichtbarkeit von jetzt auf gleich klappt selten. In stressigen Momenten kroch ich sofort wieder unter die schützende Rüstung. Die Lösung? Kleine Schritte zu meinen eigenen Bedingungen.

    Welche Hebel helfen bei funktionaler Depression im Alltag wirklich?

    Um nicht mehr blind zu funktionieren, helfen vier konkrete Alltags-Hebel: Eine angepasste Wochenplanung, regelmäßige Mikro-Pausen, radikale Notfall-Stopps und die Akzeptanz eigener Grenzen.

    1. Die 1-2-3-Methode – Mein modifizierter Wochen-Rhythmus

    Die 1-2-3-Methode bei Depression hilft mir dabei, meine Ressourcen realistisch einzuteilen, ohne mich von To-Do-Listen erdrücken zu lassen. Ich weiß, dass meine Energie montags am höchsten ist und freitags gegen null tendiert. Anstatt mich gleichmäßig durch die Woche zu peitschen, plane ich meine Kräfte strategisch:

    WochenanfangHier liegt der Fokus auf einer großen Aufgabe, die die meiste Aufmerksamkeit fordert.
    Mitte der WocheRaum für maximal zwei Aktivitäten mit mittlerem sozialen Bezug (z. B. ein Treffen mit einer Freundin). Mehr würde mich im Moment überfordern.
    Wochenausklang Donnerstag und Freitag gehören reinen Routineaufgaben, die ich im Schlaf erledigen kann – 3 kleine, kräfteschonende To-Dos (z.B. Wäsche, Aufräumen), um das typische Freitags-Tief abzufedern.

    Die Wochenenden sind der sozialen Regeneration vorbehalten – immer noch. Darauf kann und will ich nicht verzichten. Im Laufe der Woche rutsche ich zwar immer noch gerne mal in den alten Funktionsmodus. Heute gibt es jedoch einen entscheidenden Unterschied: Ich merke es rechtzeitig und hole ganz bewusst mein inneres Stopp-Schild heraus.

    2. Mikro-Pausen und die „Teilzeit-Maske“

    Egal, was ich tue: Alle 55 Minuten lege ich eine 5-minütige Pause ein. Mein Biorhythmus hat diesen Timer inzwischen verinnerlicht. Zudem übe ich das Ablegen der Maske im geschützten Raum: Ich gehe ungeschminkt zum Müll oder Einkaufen. Und an anderen Tagen trage ich mein beiges Kleid und Make-up auf der Hundewiese – nicht als Schutzschild, sondern als Ausdruck meines echten, lebendigen Ichs.

    3. Bewegung ohne Leistungsdruck

    Mein somatischer Ansatz basiert nicht auf sportlichen Höchstleistungen, sondern auf körperlicher Entlastung. Eine Runde tanzen, singen, sanftes Yoga oder ausgiebige Spaziergänge mit meinem Mops sind mein Fitnessprogramm. Es geht darum, achtsam mit dem Körper zu sein, anstatt ihn durch das nächste Ziel (wie das starre 5-Uhr-Aufstehen) zu jagen.

    4. Die Notfall-Strategie bei unsichtbarer Erschöpfung

    Wenn mich die Erschöpfung trotz aller Planung kalt erwischt, ziehe ich radikal den Stecker. Ich blockiere den Terminkalender, verschiebe Verpflichtungen und sage ab. Frau braucht Zeit, um einfach mal nichts zu tun. Das ist kein Scheitern, sondern kontrolliertes Abschalten.

    Schon Astrid Lindgren hat gesagt: ‚Und dann braucht frau auch noch Zeit, um einfach mal nichts zu tun.‘ Ein wunderschöner Satz. Und für mich eine lebenslange Übung. Ich lerne es wieder und wieder. Ganz ohne Leistungsdruck, denn es ist noch nie eine Meisterin vom Himmel gefallen.

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    Der Rückblick: Das Betriebssystem der Erschöpfung

    Der Alltag hinter der Fassade

    Der Wecker klingelt um 5:30 Uhr. Ganz automatisch hebt sich mein rechter Arm und trifft mit präziser Berechnung die Snooze-Taste. Ich wiederhole dieses Ritual mehr als eine Stunde lang, bis es 6:45 Uhr ist. Ein panischer Sprung aus dem Bett, der Kurs geht direkt zur Kaffeemaschine. Doch schon auf dem fünf Meter langen Weg in die Küche verliert der Schwung sein Tempo; ich bin sofort wieder im Schlafmodus. Erst die kühle Dusche bringt ein wenig Klarheit.

    Danach stelle ich mich der größten Herausforderung des Morgens: meinem Kleiderschrank. Die Frage ist nicht, was mir gefällt, sondern: Welche Termine stehen heute an? Teambesprechung, zwei Runden mit anderen Fachbereichen. Alles klar. Ich brauche meine Rüstung.

    Ich ziehe das graue Kleid heraus, die passende Jacke, die schwarzen Pumps. Ein rotes Halstuch sorgt für die besondere Note. Dazu ein strenger Dutt, ordentliches Make-up und roter Lippenstift. Eine halbe Stunde später steht sie im Spiegel: die erfolgreiche, charmante Mitarbeiterin, bereit, sich der Welt zu stellen. Ein letzter Check, die Mundwinkel werden nach oben gezogen. Das Lächeln passt. Meine Rüstung sitzt.

    Das unerbittliche Programm im Hintergrund

    Dass ich diese Fassade überhaupt aufrechterhalten kann, liegt an einem unsichtbaren Gefängnisaufseher in meinem Kopf: meiner inneren Kritikerin. Sie hat keinen Namen – das würde ihr zu viel Bedeutung verleihen –, sie begreift sich seit meiner Kindheit als mein fehlerfreies Grundbetriebssystem. Sie ist tief in mein BIOS einprogrammiert. Sie steuert meine Gedanken und noch viel stärker mein Handeln, meistens flüsternd, unerbittlich.

    Ihre Programmierzeilen, meine sog. Glaubenssätze lauten:

    • „Das darfst du nicht tun.“
    • „Stell dich nicht so an.“
    • „Durchhalten, aushalten, Augen zu und durch.“

    Besonders wenn es um das Thema Ausruhen geht, schwingt sie die Peitsche: „Wer rastet, der rostet.“ oder „Nun sei mal nicht so faul. Pause machen kannst du, wenn du tot bist.“ Für sie hat nur Leistung eine Daseinsberechtigung. Sie hat mich glauben lassen, dass Liebe und Anerkennung an Bedingungen geknüpft sind. Nur wenn ich perfekt funktioniere, werde ich gesehen.

    Die Risse im Schutzpanzer

    Das System läuft, es verbraucht Unmengen an Energie. Mein Körper merkt lange vor meinem Geist, wenn die Reserven im roten Bereich sind. Es beginnt mit schweren, müden Beinen. Dann zieht sich der Nacken zusammen, ein hämmernder Kopfschmerz kriecht über das rechte Auge, bis er den Kopf wie ein zu enges Stirnband einschnürt. Ich ziehe mich dann wie eine Schildkröte in meinen Panzer zurück.

    Vormittags kann ich vieles noch weglächeln, doch je weiter der Tag voranschreitet, desto kürzer wird die Zündschnur. Um die Mittagszeit erreicht mich ein chronisches Tief; mit Kolleginnen essen zu gehen, ist unvorstellbar. Ich brauche den totalen Rückzug, die Zeit zum Aufladen. Am späten Nachmittag wird der Tonfall spitzer, die Geduld schwindet. Manchmal explodiere ich wie ein Pulverfass – oder ich implodiere, um niemanden zu verletzen, und habe plötzlich ganz nah am Wasser gebaut.

    Wenn die Anspannung unerträglich wird, fangen meine Finger unbewusst an zu arbeiten. Sie tasten die Haut nach Knubbelstellen ab, kratzen kleine Wunden immer wieder auf. Skin Picking – meine kleine, heimliche Variante der Selbstverletzung, um den inneren Druck irgendwie zu kanalisieren.

    Das Abwerfen der Rüstung am Abend

    Wenn ich abends endlich die Wohnungstür hinter mir schließe und den Schlüssel zweimal umdrehe, bricht das System zusammen. Ein tiefer Seufzer. Ich lasse die Tasche auf den Boden fallen, kicke die Schuhe mitten in den Raum. Ich gehe direkt ins Schlafzimmer, entledige mich der Rüstung und schlüpfe in Jogginghose und T-Shirt. Der Arbeitstag fällt mit der Kleidung von mir ab.

    Ich laufe in Richtung Wohnzimmer, schnappe mir mein Smartphone und falle wie ein Sack auf die Couch. Der Fernseher läuft als reines Hintergrundrauschen. Ich scrolle durch WhatsApp, Mails und Social Media, um mir einen Überblick zu verschaffen, ich beantworte nichts mehr. Ich will nichts mehr hören, nichts mehr sehen, nichts mehr sagen. Ich ziehe mich komplett in mich selbst zurück.

    In diesen Momenten legt sich meine Depression über mich wie eine tonnenschwere Therapiedecke. Sie simuliert keine wohlige Umarmung, sondern drückt meinen gesamten Körper, meine Glieder und meinen Torso tief in die Couchpolster. Das Aufstehen erfordert übermenschliche Kraft. Gleichzeitig wirkt diese Decke wie Harry Potters Tarnumhang: Ich fühle mich für die Außenwelt unsichtbar, nicht mehr existent. Die Welt pulsiert draußen ohne mich. Diese Decke ist eine dichte Mauer, eine Barrikade, die mich von den anderen trennt – und von mir selbst. Das Wochenende ist kein Raum für tolle Erlebnisse, sondern ein reiner Boxenstopp in absoluter Abgeschiedenheit, um den Akku für die nächste Woche irgendwie aufzuladen.

    Ein Brief an das „Funktionieren“

    Manchmal möchte ich die Maske im Alltag einfach abreißen und laut schreien: „Seht mich! Ich bin nicht immer lieb, nett und empathisch. Ich kann gerade überhaupt nicht mehr!“ Das widerspricht dem gelernten Programm. Also beiße ich die Zähne zusammen, mache gute Miene zum bösen Spiel und brülle erst zu Hause ins Kissen.

    Wenn ich dieser Eigenschaft in mir – dem permanenten Funktionierenmüssen – einen Brief schreiben könnte, würde ich sagen:

    Danke, dass du mich durch mein Leben getragen hast. Du hast mich gelehrt, unabhängig zu sein, meine Wohnung sauber zu halten, Wasserhähne zu reparieren und niemals aufzugeben. Du hast mir meine aufrechte Haltung gegeben.

    Ich verfluche dich auch. Weil du mir keinen Raum lässt, einfach mal durchzuhängen. Weil du dich mit der Angst verbündet hast, um mein Selbstwertgefühl kleinzuhalten und mich in der Komfortzone zu blockieren. Du nimmst mir die Möglichkeit, mich selbst zu fühlen und zu erkennen, dass ich auch wertvoll und liebenswert bin, wenn ich gerade absolut nichts leiste.

    Es ist an der Zeit, dass das Funktionieren ein Stück weiterzieht – und Platz macht für das echte Leben und Fühlen.

    In meinem wöchentlichen Format „Farbkleckse der Woche“ schenke ich dir genau das: Einen kurzen, bunten Impuls für dein Nervensystem – egal ob als kompakter Text zum Nachlesen oder als 2- bis 3-minütiges Audio direkt auf dein Ohr. Kein Leistungsdruck, keine neuen To-dos, sondern einfach nur eine kleine Erinnerung daran, kurz durchzuatmen und das Funktionieren für einen Moment zu verlernen.

    Das große Abschütteln

    Weil der Weg heraus aus dem reinen Funktionsmodus im Alltag oft verdammt schwer ist, möchte ich dich jede Woche ein kleines Stück begleiten.

    Was bleibt: Funktionieren zu deinen eigenen Bedingungen

    Das Funktionieren und die Maske sind kein reiner Fehler – sie sind auch eine Stärke. In Krisen behalte ich den Überblick. Der entscheidende Unterschied zu früher ist: Ich tue es heute zu meinen eigenen Bedingungen und nicht mehr bis zur völligen Selbstaufgabe. Wenn die Situation vorbei ist, lege ich die Rüstung bewusst ab, erlaube mir die Auszeit und frage mich, was das Erlebte mit mir gemacht hat. Die Lebensqualität am Wochenende und die kreative Energie sind zurückgekehrt.

    Was ich dir mitgeben möchte

    Die unsichtbare Depression lebt vom Schweigen. Sie lebt davon, dass wir so verdammt gut darin geworden sind, die Zähne zusammenzubeißen und den Schein zu wahren. Und das Funktionieren ist nicht das echte Leben. Wahre Stärke zeigt sich nicht darin, wie schwer unsere Rüstung sein darf, sondern darin, wann wir den Mut haben, sie abzulegen und wieder zu fühlen.

    Ich wünsch dir einen Tag mit ganz viel Leichtigkeit im Herzen.

    Deine Stefanie

    Du hast noch Fragen:

    1. Warum schaden klassische Strukturempfehlungen bei hochfunktionaler Depression oft?

      Viele Betroffene nutzen äußere Struktur nicht zur Entlastung, sondern als Werkzeug, um noch mehr zu leisten und das Funktionieren zu perfektionieren. Echte Erholung erfordert daher ein Aufbrechen statt ein Verstärken starrer Strukturen.

    2. Was unterscheidet die 1-2-3-Methode von einer normalen To-Do-Liste?

      Die 1-2-3-Methode verteilt Aufgaben strategisch nach den individuellen Energiereserven der Woche. Sie verhindert, dass an Tagen mit geringer Energie dieselbe Höchstleistung erzwungen wird wie an starken Tagen.

    3. Wie bemerke ich körperliche Alarmsignale, bevor die Psyche streikt?

      Körperliche Anzeichen wie chronische Nackenverspannungen, wiederkehrende Kopfschmerzen oder Impulse wie Skin Picking treten oft lange vor dem bewussten mentalen Zusammenbruch als Schmerzsignale des Nervensystems auf.

  • 60+ ehrliche fun Facts, die mich ausmachen

    60+ ehrliche fun Facts, die mich ausmachen

    Manchmal sind es nicht die großen Lebensgeschichten, die einen Menschen greifbar machen, sondern die kleinen Details: Lieblingsgerüche, seltsame Macken, heimliche Talente oder völlig unnützes Wissen über Enten. Deshalb habe ich hier ein paar Fun Facts über mich gesammelt.

     Einige sind ernst gemeint, andere mit einem Augenzwinkern. Manche sagen überraschend viel über mich aus – andere vermutlich gar nichts. Aber genau so ist das Leben ja auch: ein bisschen Chaos, ein bisschen Ordnung und dazwischen viele kleine Dinge, die uns ausmachen. Wenn du also wissen möchtest, wer hier eigentlich schreibt, denkst und manchmal auch vor sich hinlacht – bitte schön. Eine kleine Sammlung aus meinem Alltag.

    Kurz & Knapp

    Hier sind fünf kleine Dinge, die mich ganz gut beschreiben:

    • Mein heimlicher Mitbewohner: Ein Mops mit sehr viel Charakter – und einem beeindruckenden Schnarchvolumen.
    • Mein unnötigstes Wissen: Anatidaephobie: die Angst, von einer Ente beobachtet zu werden. Jetzt weißt du es auch.
    • Mein Lebensmotto: „Das entscheiden wir spontan.“ Funktioniert erstaunlich oft.
    • Ich sammle … Schuhe. Rund 80 Paar. Getragen werden etwa 30.
    • Woran man merkt, dass es mir richtig gut geht: Ich ziehe mich bunt an.

    1. Das bringt mit zuverlässig zum Lachen – selbst an grauen Tagen

    Das wohlige Schnarchen meines Mops. Besonders, wenn er dann noch auf dem Rücken liegt.

    2. Mein heimliches Talent

    Ich kann sehr gut einparken. Praktisch – auch wenn ich kaum noch Auto fahre.

    3. Wenn ich ein Auto wäre, dann wäre ich…

    vermutlich ein 2CV – oder wie wir damals sagten: eine Ente. Mit Ecken und Kanten und Rundungen an der richtigen Stelle. Einfach charmant und schon ein wenig in die Jahre gekommen.
    Okay – auf dem Bild ist ein Renault 4  aber so ähnlich würde ich vermutlich als „2CV – Ente“ aussehen. Aber zum Thema R4 – das war übrigens mein erstes Auto. Erst im Car-Sharing (okay – Mitbenutzung) und dann später mein erstes selbstbezahltes Auto.

    4. Mein Lebensmotto

    „Das entscheiden wir spontan.“ Denn Leben ist das was passiert, wenn frau Pläne macht. Dazu habe ich einen Beitrag geschrieben

    5. Mein Lieblingsgeruch

    Lavendel – oder nein: Lemongrass – oder doch: Lavendel? Ich kann mich nicht entscheiden. Lavendel beruhigt mich und Lemongrass gibt mir Energie – je nach dem, was ich gerade brauchen.

    6. Mein guilty pleasure ist …

    Das ist meinen Mitbewohner Ben. Ein Mops mit Charme und echtem Charakter.

    7. Das war mein erstern Job

    Prospekte austragen für das Elektrogeschäft meines Vaters – 5.000 Haushalte im Dezember. Spannend und unglaublich langweilig zugleich

    8. Ich sammle …

    Schuhe. Davon habe ich gut 80 Paar. Allerdings trage ich davon nur knapp 30, weil die anderen hohe Hacken haben und ich momentan eher bequem und gemütlich unterwegs bin. Der Rest wartet darauf mal wieder die Straße zu spüren. „Bettschuhe“ sind übrigens keine dabei
    Der Schrank ist übrigens eine kleiner Luxus – sprich ein Maßanfertigung. In meiner Wohnung ist nicht genügend Platz für so viele Liebhaberstücke, da gab es ein ganz individuelle Unterbringung.

    9. Ohne das kann ich nicht leben

    Mein Smartphone. Da steckt gefühlt mein ganzes Leben drin. Zudem ist es meine verlässliche Verbindung zur Außenwelt.

    1. Das bringt mit zuverlässig zum Lachen – selbst an grauen Tagen

    Das wohlige Schnarchen meines Mops. Besonders, wenn er dann noch auf dem Rücken liegt.

    10. Etwas, das ich wirklich hasse.

    Listen schreiben. Einkaufslisten, To-do-Listen, Packlisten – ich arbeite lieber nach Gefühl. Allerdings gibt es eine Liste, wenn es unbedingt sei muss.

    11. Ich rede mit mir selber

    Weil ich dann sicher bin, eine intelligente Gesprächspartnerin zu haben

    12. Meine größte Schwäche ist

    Schokolade – besonders, wenn ich unter Stress bin. Dann ist mein einziger Gedanke: Schokolade. Die aktuellen Preise (1,99 € für 75g) unterstützen tatsächlich meine Schokoladenentwöhnung.

    13. Ich habe gelernt …

    Langsamkeit ist keine Schwäche. Tiefe entsteht selten im Sprint.

    Mein Krafttier ist die Schnecke. Sie symbolisiert Geduld, Schutz, Rückzug und stetiges Vorankommen. Es erinnert mich daran, in meinem eigenen Tempo zu leben, innere Ruhe zu finden und den schützenden Raum im Herzen zu tragen. Die Schnecke fördert meine Ausdauer und Achtsamkeit, um sicher und unbeirrt das Ziel zu erreichen.

    14. Wenn ich eine Superkraft hätte …

    Gedanken lesen – das würde vieles im Zwischenmenschlichen vereinfachen.

    15. Meine kleine Macke

    Ich trinke Gläser und Tassen nie komplett leer. Ein kleiner Rest bleibt immer übrig. Vermutlich für Notfälle.

    16. Mein größtes Learning bisher

    Ich muss nicht perfekt sein, um echt zu sein.

    17. Mein Arbeitsplatz

    Der Schreibtisch fürs Arbeiten – und das Sofa fürs Schreiben. Ach ja: mein Bett für kreative Ideen.

    18. Mein „Das zählt auch als Self-Care“-Moment

    Einfach irgendwo sitzen und Löcher in die Luft starren. Denn um die Löcher herum ist ganz viel Leben, Kreativität und Gelassenheit.

    19. Dafür kann ich mich überraschend begeistern

    Aufräumen, aufräumen und noch einmal aufräumen. Ich liebe Ordnung um mich herum und räume wirklich und wahrhaftig für mein Leben gerne auf. Manchmal sogar Räume außerhalb meiner Wohnung.

    20. Was viele über mich denken

    Dass mich nichts aus der Ruhe bringt. Stimmt nur halb. Ich kann auch schimpfen wie ein Rohrspatz..

    21. Der Satz, der mich besser beschreibt als jeder Lebenslauf

    Ich bin gut, genau so wie ich bin.

    22. So nenne ich meinen inneren Kritiker

    Der hat keinen Namen. Sonst würde ich ihm zu viel Bedeutung geben. Aber ich danke ihm für seine Anmerkungen und Hinweise. Dadurch habe ich die Gelegenheit auch über die andere Seite nachzudenken.

    23. Wobei ich ungeduldig bin

    Bei meinen eigenen Fehlern. Bei den Fehlern anderer bin ich erstaunlich großzügig

    24. Wenn meine Stimmung eine Farbe hätte

    Oft orange – für Lebensfreude, Wärme und Energie. Je nach Tagesform kann es auch eine andere Farbe des Regenbogens sein. Ich bin da flexibel.

    25. Was ich meinem jüngeren Ich sagen würde

    Trau dich. Wenn du es nicht machst, macht es keiner.

    26. Für das gehe ich gern einen kleinen Umweg

    Für eine Tüte Gummibärchen. So viel Geld habe ich immer in der Tasche.

    27. Das brauche ich, um wirklich aufzutanken

    Ruhe, Stille, Schlafbrille und Noise-Cancelling-Kopfhörer.

    28. Meine ganz eigene Definition von Stärke

    „Stärke ist ein komplexes Kohlenhydrat und wichtiger Energiespeicher in Pflanzen, der aus Glucoseeinheiten besteht und in Lebensmitteln wie Kartoffeln, Getreide und Reis vorkommt, wo er zum Andicken genutzt wird“ – nicht immer alles ganz so ernst und wichtig nehmen.

    29. Ein Mut-Moment, der vielleicht klein war – aber viel verändert hat

    Die Entscheidung mit dem Bloggen zu beginnen. Erst über Yoga-Themen und jetzt über Depression.

    30. Daran merke ich, dass es mir wirklich gut geht

    Ich habe Lust mich Bunt anzuziehen.

    31. Daran merke ich, dass es mir nicht gut geht

    Ich suche nach schwarzer oder grauer Kleidung im Schrank und zieh mich dann doch bunt an.

    32. Diese Rolle nehme ich in Gruppen fast automatisch ein

    Die Leaderin. Ich kann meist nicht anders. Mich macht es nervös, wenn eine Gruppe kopflos ist und ewig lange überlegt und diskutiert.

    33. Ein Satz, den ich anderen leicht sage

    „Kein Thema, kein Stress. Das bekommen wir schon hin!“

    34. Das darf in meinem Leben unperfekt bleiben

    Meine Frisur. Perfekt kann ich da nicht. Am Ende des Tages stehen sie doch wieder ab und sind verstrubbelt. Das Gleiche gilt auch für mein Make-up. Morgens Illustrierten tauglich, abends nicht mehr zu finden.

    35. Mein kleines tägliches Ritual

    Die erste Tasse Kaffee direkt nach dem Aufstehen. Damit kommt Schwung in mein Leben.

    36. Warum ich tue, was ich tue

    Weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wovon ich spreche.

    37. Etwas, das ich früher nie gedacht hätte

    Dass ich Sport, Fitness und Yoga einmal lieben würde. In meiner Kindheit und Jugend bin ich so ziemlich das unsportlichste Wesen auf dem Planeten gewesen. Dabei komme ich aus einer sehr sportlichen Familie

    38. Mein Biorhythmus

    Ich bin eine Kombination aus Lerche und Eule – morgens fit, abends fit – tagsüber nicht zu gebrauchen

    39. Das bringt mich schneller aus dem Konzept als mir lieb ist

    Eine laufende Nase – besonders ohne Taschentuch. In der Oper habe ich deshalb schon mal einer Sitznachbarin ein Taschentuch angeboten. Für die zweite Vorstellungshälfte hat sie sich einen anderen Sitzplatz gesucht

    40. Mein erster Yogakurs

    Der war unglaublich langweilig. Ohne Sinn und Konzept auf der Matte rumrollen und nicht verstehen, was da gerade passieren soll. Entspannung war nicht einmal in der Ferne am Horizont erkennbar.

    41. Ich hatte eine völlig anderen Plan für mein Leben

    und muss mich jetzt erst einmal neu ausrichten. Ich bin sehr dankbar dafür, dass es anders gekommen ist.

    42. Generation Baby Boomer oder doch schon „X“?

    Je nach Statistik zähle ich entweder zur Classic Edition der Baby Boomer – solide gebaut, aber nicht immer updatefreudig – oder schon zur Beta-Version der Generation X, noch mit ein paar Kinderkrankheiten, dafür aber zukunftskompatibel.

    43. Ein Film oder eine Serie, die ich immer wieder schauen könnte

    „Alias“ mit Jennifer Garner. Den kennst du bestimmt nicht, aber so würde ich manchmal gerne sein. Stark, selbstbewusst und immer mal wieder in andere Rollen schlüpfen können. Alternativ für alle Frauen unter uns „Magic Mike“.

    44. Etwas, worüber ich immer lachen kann

    Wenn mir wieder etwas heruntergefällt. Manchmal bin ich echt dusselig und verpeilt

    45. Mein Lieblingsort zum Durchatmen

    Das ist ein Platz an der Nord- oder Ostsee mit Wind, Wellen und Meer

    46. Ein Satz, der mich in schwierigen Momenten begleitet

    „Nichts ist so schlimm, als das es nicht auch für etwas gut ist.“ Alles hat immer zwei Seiten und die sollte ich mir auch immer anschauen

    47. Wenn ich spontan einen freien Tag habe

    Dann mache ich einfach mal nichts – wie sonst auch.

    48. Meine Beziehung zu Zimmerpflanzen

    Nicht existent. Pflanzen leben in anderen Wohnungen sicher als bei mir. Der grüne Daumen ist an mir vorbei gegangen.

    49. In meinen Taschen herrscht Ordnung

    Ich räume sie jeden Abend aus und morgens wieder ein. Zudem gibt es für alles noch kleine Extratäschchen.

    50. Mein unnötiges Wissen

    „Anatidaephobie – die Angst von einer Ente angesehen zu werden! Und es gib sogar Apps dafür.

    51. Mein persönlicher Endgegner im Alltag

    Öffentliche Verkehrsmittel. Sie fahren mir grundsätzlich vor der Nase weg. Kann auch mit mir zusammenhängen.

    52. Wenn Platz und Geld keine Rolle spielen würden, würde ich sammeln

    Momente und Erinnerungen. Die kann mir niemand nehmen und ich muss kein Staub wischen

    53. Die Jahreszeit, die zu mir passt

    Der Herbst – wegen Licht, Luft und Farben

    54. Das könnte ich stundenlang tun

    Zen-Color spielen. Dabei vergesse ich vollkommen die Zeit.

    55. Dieser Song beschreibt meine aktuelle Lebensphase

    „Der Moment“ von Rosenstolz : „Wie viel Zeit inzwischen wohl vergangen ist Wie viel Angst und wie viel Einsamkeit Nur daß meine Welt ein wenig reicher ist Oder leer; wir war’n wohl nicht bereit Vielleicht war’s einfach nicht die rechte Zeit für uns Mag sein, ich finde bald zu mir zurück Und was mir bleibt, ist dein Gesicht Und das Gefühl, geteilt zu sein“

    56. Diese kleine Alltagsentscheidung überdenke ich regelmäßig zu lange

    Das Anschalten der Waschmaschine und das Aufhängen der Wäsche. Vom Abnehmen ganz zu schweigen.

    57. Mit 50+ habe ich endlich verstanden

    Flache Zehensandalen sind völlig legitime und coole Schuhe.

    58. Eine Sache, die mir heute völlig egal ist

    Unpünktlich sein. Na ja, nicht so richtig -aber immer ein paar Minuten. Übrigens: zu früh sein, ist auch unpünktlich.

    59. Eine Kleinigkeit, die mein Leben überraschend besser gemacht hat

    Das Internet und Antidepressiva. Mit der KI hadere ich noch. Aber wir nähern uns an.

    60. Eine Sache, bei der ich inzwischen einfach „Nein“ sage

    „Hast du mal kurz Zeit?“ oder noch besser „Darf ich mal eben kurz stören?“

    61. Eine Angewohnheit, die ich mir mit den Jahren erlaubt habe

    Ich gehe ungeschminkt und in Jogginghose aus dem Haus.

    62. Das kann ich mit zunehmendem Alter immer besser

    Gut Aussehen!

    63. Der schönste Nebeneffekt des Älterwerdens

    Die hart erlachten Linien um die Augen.

    64. Eine Erkenntnis über Erwachsene

    Niemand hat wirklich alles im Griff. Es wirkt nur manchmal so. Ist häufig ein Deep Fake.

    Was bleibt – und was ich dir mitgeben möchte

    Vielleicht nimmst du aus dieser kleinen Liste vor allem eines mit: Ein Mensch besteht nie nur aus einem einzigen Thema. Nicht aus einer Diagnose, nicht aus einer Geschichte, nicht aus einem schwierigen Kapitel.

    Wir sind immer mehr als das. Wir sind unsere Macken, unsere Lieblingsfarben, unsere seltsamen Fun Facts und unsere kleinen Alltagsfreuden. Auch mit Depression bleibt das Leben bunt – manchmal leise bunt, manchmal chaotisch bunt, manchmal überraschend hell. Und genau darum geht es hier: zu zeigen, dass hinter jedem schweren Thema immer noch ein ganzer Mensch steht. Mit Humor, mit Ecken, mit Tiefe – und mit sehr vielen Farben.

  • 5 wichtige Wendepunkte auf meinem Weg mit Depression

    5 wichtige Wendepunkte auf meinem Weg mit Depression

    Manche Ideen entstehen nicht am Schreibtisch, sondern mitten in der Nacht.

    Im Sommer 2025 habe ich an einem kostenlosen Seminar für ein besseres Online-Business teilgenommen. Das war eine klassische mehrtägige Verkaufsveranstaltung mit täglich wechselnden Themen. Am dritten Tag ging es im Wesentlichen um Money-Mindset. Ein Satz ist mir aus dieser Veranstaltung besonders im Kopf geblieben: „Geld kann ich!“ – das Mantra der Moderatorin. Fun Fact: ich nicht.

    In der Nacht danach habe ich von meinem Traumbusiness rund um mein ganz persönliches Thema geträumt. Und in diesem Traum ging es nicht um Umsatz oder Marketing, sondern um Depression – weniger um fachlich-medizinische Erklärungen, sondern vielmehr um Lebensstrategien, um Wege mit der Krankheit klarzukommen, um Bewältigungsmöglichkeiten und kleine Lifehacks für Tage, an denen scheinbar nichts mehr geht. Und auch um eine Gemeinschaft.

    Als ich am nächsten Morgen aufgewacht bin, wusste ich plötzlich: Das ist mein Thema. Das ist mein Weg mit Depression.

    Wenn ich heute auf mein Leben zurückblicke, gab es einige Momente, die meine Sicht auf Depression – und auch auf mich selbst – nachhaltig geprägt haben. Von einigen dieser Wendepunkte erzähle ich hier in Form eines kleinen Selbstinterviews.

    Kurz & Knapp

    Falls du lieber direkt zum Kern springen möchtest, hier die Kurzfassung:

    • In diesem Beitrag erzähle ich meinen persönlichen Weg mit Depression – in Form eines kleinen Selbstinterviews.
    • Du erfährst, welche Erfahrungen und Entscheidungen mich geprägt haben.
    • Fünf Wendepunkte spielen dabei eine besondere Rolle: meine ersten Begegnungen mit Depression, Bewegung als wichtige Ressource, Yoga und Selbstreflexion, ein tiefer Einschnitt im Jahr 2023 – und schließlich die Idee zu dieser Website.
    • Und du bekommst einen ersten Eindruck davon, warum „Depression braucht bunt“ überhaupt entstanden ist.

    Wenn du mehr über die Hintergründe meiner Arbeit erfahren möchtest, findest du am Ende des Beitrags auch eine kleine Vorschau auf die nächsten Artikel dieser Serie.

    Wann hast du zum ersten Mal gespürt: „Das hier ist mehr als nur ein Thema – das ist meine Aufgabe“?

    Der Traum aus dieser Nacht im Sommer 2025 war tatsächlich der Moment, in dem sich für mich vieles zusammengefügt hat.

    Für das Business selbst hatte ich damals noch kein klares Bild, aber die Richtung war plötzlich da. Es ging um Depression – und darum, wie Menschen im Alltag mit dieser Krankheit umgehen können. Nicht nur medizinisch oder therapeutisch, sondern ganz praktisch: mit kleinen Strategien, Erfahrungen und Ideen aus dem echten Leben. Deine Fragen zum Thema Depression beantworte ich in dem Beitrag „Was ist eine Depression wirklich? Der Unterschied zwischen Tief, Erschöpfung und Erkrankung„.

    Ganz verabschieden musste ich mich dafür zunächst von „Mein persönliches OM – Yoga – alltäglich leben“. Mein bisheriges Herzensthema, meine Homepage und mein Blog – ein großer Teil meines Jahres 2025. Das war nicht leicht, weil dieses Thema für mich lange so etwas wie ein Rettungsanker gewesen ist. Allerdings waren beide Themen parallel und unabhängig voneinander zu viel für mich.

    Im Januar 2026 wurde mir dann klar, dass ich Yoga und Bewegung eigentlich gar nicht beiseiteschieben möchte. Vielmehr möchte ich beide Themen miteinander verbinden – ohne zu spirituell zu werden und ohne das Alltägliche aus den Augen zu verlieren. Denn auch Bewegung, Körpergefühl und Selbstfürsorge gehören für mich zu meinem Weg mit Depression.

    Das war Wendepunkt 5 und der finale Schritt für „Depression braucht bunt“

    Diese Erkenntnis war der entscheidende Punkt, der mich aktiviert und das Projekt wirklich ins Leben geschoben hat. Deshalb steht er hier ganz am Anfang. In dem Beitrag „Mein Blog „Depression braucht bunt“ – was hinter dem Titel steckt„, erkläre ich meine Sicht auf „bunt“.

    Aber lass uns doch mal ganz am Anfang starten.

    Was hat dich persönlich am meisten geprägt?

    Ich glaube meine eigene Lebensgeschichte. Meine Entwicklung, meine Irrungen und Wirrungen, meine Vorlieben und auch meine Abneigungen.

    Jeder Schritt, den ich in meinem Leben gegangen bin, hat mich unmerklich und fast zwangsläufig zu diesem Punkt geführt – zu diesem Thema und zu dieser Website. Zum Zeitpunkt der einzelnen Schritte war mir das überhaupt nicht bewusst. Ich bin lange durch einen Nebel gelaufen und habe mich immer wieder nach dem Sinn meines Daseins gefragt.

    Mein Leben mit Depression

    Wendepunkt 1 – Die erste Begegnung mit Depression

    Am meisten geprägt hat mich tatsächlich mein eigenes Leben.

    Auch wenn es nie offiziell diagnostiziert wurde, bin ich doch ziemlich sicher, dass ich bereits im Teenageralter meine erste depressive Episode hatte. Als eher zurückhaltende, schüchterne und introvertierte Person war ich immer eher ruhig und still, wollte nicht anecken und möglichst wenig auffallen. Wenn ich heute darauf zurückblicke, glaube ich, dass mich Symptome einer Dysthymie über viele Jahre begleitet haben.

    Ich komme aus einer Generation, in der „Durchhalten – Kopf hoch – Zähne zusammenbeißen“ so etwas wie ein Lebensprinzip war. Energiemangel durfte es nicht geben und Antriebslosigkeit galt schnell als Faulheit. Ich selbst hatte innerlich jedoch ständig mit meinem Energielimit zu kämpfen – und dieses Limit reichte selten für einen ganzen Tag. Morgens aufstehen war eine echte Herausforderung. Perfektion im Job und im Leben war die Messlatte. Jeden Tag musste etwas Erzählenswertes passieren. Und das Aufkommen von Social Media im Form von Facebook (2004), Instagram (2010), der ständigen Erreichbarkeit über WhatsApp (2009) und überhaupt die Welt per Smartphone (2007) in der Hosentasche haben den Druck nicht reduziert.

    Sehr viele Tage in meinem Leben waren ein Kampf. Gefühlt musste ich mich einfach nur mehr anstrengen und dann schaffe ich das schon 

    Trotz mehrerer Therapien habe ich erstmals im Sommer 2020 offiziell die Diagnose der mittelgradigen, rezidivierenden depressiven Störung erhalten. Danach lichtet sich mein Gefühlsdschungel immer etwas mehr.

    Mein Wunsch mich selber zu verstehen

    Zwischendurch hatte ich immer wieder die Idee, Psychologie zu studieren. Ich wollte verstehen, warum ich mich anders fühle als andere Menschen und mir die Frage beantworten: „Bin ich falsch?“

    Am Ende habe ich diesen Weg nicht eingeschlagen. Meine Angst, von jemandem oder etwas abhängig zu sein, war damals zu groß. Mir war es immer wichtig, mein eigenes Geld zu verdienen. Ein Vollzeitstudium hätte massive finanzielle Einbußen bedeutet, und für ein Teilzeitstudium fehlte mir schlicht die Energie. Hundert Prozent Beruf, hundert Prozent Leben und hundert Prozent Studium – das erschien mir damals nicht machbar.

    Also habe ich das Thema zunächst beiseitegeschoben. Ganz tief in meinem Kopf sitzt der Gedanke an das Studium immer noch. Eventuell gilt hier tatsächlich „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“. Ich habe keine Ahnung wohin mein Weg mit Depression mich noch bringt. Nichtsdestotrotz beschäftige ich mich seit sehr vielen mit Psychologie, Depression, Life Hacks, Nervensystem und allem was ich zu dem Thema finden kann.

    Bewegung als Teil meiner persönlichen Entwicklung

    Wendepunkt 2 – Bewegung als erste Ressource

    Bis Anfang meiner Zwanziger war ich ehrlich gesagt eher ein Bewegungsmuffel, obwohl in meiner Familie Sport immer eine große Rolle gespielt hat.

    Dann habe ich Aerobic und Fitness für mich entdeckt. Bewegung in einer Gruppe, mit motivierender Trainerin und ohne Vereinszwang – das war genau mein Ding. Daraus entwickelte sich schließlich mein erster Trainerschein: Aerobic und Step-Aerobic, C-Lizenz. Danach kamen immer mehr Ausbildungen dazu. Gerade die Lizenzen haben mir ein unheimliches Selbstvertrauen gegeben. Seit dem, kann ich so gut wie problemlos vor Gruppen agieren. Auch wenn nicht immer alles rund läuft, die Technik versagt oder Teilnehmer:innen anderer Meinung sind.

    Aktuell beschäftige ich mich verstärkt mit dem somatischen Training und Rehasport bei psychischen Erkrankungen. Für mich ist Bewegung ein wichtiger Aspekt, um mit der eigenen Depression besser klarzukommen.

    Selbstfürsorge bei Depression

    Wendepunkt 3 – Yoga und Selbsterkenntnis

    Ein weiterer Wendepunkt kam in meinen Vierzigern. Ich wollte unbedingt eine Yoga-Lizenz machen, obwohl ich damals noch gar nicht so genau wusste, was Yoga eigentlich ist. Die Ausbildung war phasenweise ziemlich herausfordernd. Für einige meiner Mit-Auszubildenden war ich einfach die „Fitnesstante ohne Tiefgang“. Gleichzeitig habe ich in dieser Zeit unglaublich viel gelernt und Wissen aufgesogen und war damit die „Streberin“ und „Besserwisserin“. Ich habe gelernt: du kannst es nicht allen recht machen.

    Das Thema Yoga hat mich gepackt – und ich bin drangeblieben. Ich habe verschiedene Stilrichtungen ausprobiert und lange an meiner eigenen Sicht auf Yoga gearbeitet. Dabei hat mir 2025 ganz besonders mein Blog „Mein persönliches OM – Yoga alltäglich leben“ unterstützt. Der Blog ist zwischenzeitlich in „Depression braucht bunt“ integriert worden.

    Im Yoga geht es viel um Selbsterkenntnis, Selbstreflexion und auch um philosophische sowie psychologische Fragen. Für mich war es deshalb nur folgerichtig, eine Fortbildung zur Burnout-Präventionsberaterin zu machen. Ich wollte nicht nur andere Menschen besser verstehen – sondern auch mich selbst.

    Viele der Themen, über die ich hier schreibe, habe ich selbst erlebt. Es sind Erfahrungen aus meinem Leben mit Depression. Die Tools, die ich vorstelle, sind oft aus eigener Erfahrung entstanden. Jedes davon habe ich selbst ausprobiert – manches hat für mich funktioniert, manches nicht. Aber weil Menschen unterschiedlich sind – zum Glück – stelle ich sie trotzdem vor. Vielleicht passt genau eines davon für dich.

    Eine persönliche Top-3 meiner Lieblings-Tools verrate ich dir in einem späteren Beitrag.

    Wann hast du gespürt: So kann es nicht weitergehen?

    Wendepunkt 4 – Der Zusammenbruch 2023

    Einen einzelnen Aha-Moment kann ich nicht benennen. Es war eher ein schleichender Prozess.

    In meinem Leben gab es immer wieder depressive Phasen – und auch Phasen, in denen ich mich stark und stabil gefühlt habe. Mit der Zeit wurden die schwierigen Phasen jedoch häufiger, kamen schneller wieder und hielten länger an. Mit jeder Phase und jeder Therapie habe ich mich ein Stück weiterentwickelt – oder vielleicht besser gesagt verändert. Schritt für Schritt bin ich mehr zu der Frau geworden, die ich heute bin.

    Der große Einschnitt kam im September 2023, kurz vor meinem 54. Geburtstag. Plötzlich ging gar nichts mehr. Seit dieser Zeit arbeite ich fast jeden Tag ein kleines Stück an mir, spüre in mich hinein und versuche bewusst dafür zu sorgen, dass es mir besser geht. Manchmal stelle ich mir das ein wenig vor wie das Besteigen des Mount Everest: Es geht langsam bergauf, hin und wieder auch ein kleines Stück zurück – aber das Ziel ist klar.

    Genau das ist mein Weg mit Depression.

    Was hat dich am meisten berührt oder auch wütend gemacht?

    Am meisten berührt hat mich meine tiefe, oft kaum erklärbare Traurigkeit – und die Sprachlosigkeit, die damit verbunden war.

    Ich selbst habe lange nicht verstanden, warum ich so traurig bin, warum mir immer weniger Dinge Freude bereiten und warum mich die Welt um mich herum oft so unglaublich anstrengt.

    Dabei hatte ich doch eigentlich alles, was man zum Leben braucht: ein Dach über dem Kopf, eine gut bezahlte Arbeit, interessante Hobbys und ausreichend Geld. Ein funktionierendes soziales Umfeld. Offiziell zumindest war alles gut.

    Inoffiziell gab es tief in mir eine ganze Sammlung von Glaubenssätzen, inneren Regeln und vermeintlichen Erwartungen, die mir ständig gesagt haben, was ich zu tun und zu lassen habe. Ich war sehr, sehr streng mit mir. Für Achtsamkeit, Selbstliebe oder Selbstfürsorge war in diesem System kein Platz. 

    Nachdem ich meine Diagnose irgendwann akzeptiert und wirklich verstanden hatte, hat mich vor allem eines wütend gemacht: wie wenig Verständnis mein Umfeld dafür aufbringen konnte.

    Natürlich ist das oft auch eine Generationenfrage. Gerade Menschen über 50 und viele Männer tun sich mit dem Krankheitsbild Depression deutlich schwerer als jüngere Generationen. Gleichzeitig gilt auch hier: Jeder Mensch ist anders und reagiert anders.

    Was hat dir damals gefehlt?

    In verschiedenen Lebensphasen haben mir unterschiedliche Dinge gefehlt.

    In den 80er und 90er Jahren vor allem Information und ein grundlegendes Verständnis für Depression. Damals wurde die Krankheit oft belächelt oder als Problem „gelangweilter Hausfrauen“ abgetan.

    In den 2000er Jahren hat mir vor allem jemand zum Reden gefehlt – eine Person, mit der ich meine Gedanken und Gefühle offen reflektieren konnte.

    Mit dem Internet wurde der Zugang zu Informationen immer besser, manchmal fast zu gut. Die Herausforderung bestand plötzlich darin, aus der riesigen Menge an Wissen das herauszufinden, was wirklich zu mir passt.

    Was mir außerdem lange gefehlt hat, war eine Therapeutin, die mich wirklich versteht, mir zuhört und mich auf meinem Weg mit Depression begleitet. Viele Schritte bin ich deshalb allein gegangen – ein bisschen wie eine Entdeckerin auf unbekanntem Terrain. Über die Jahre habe ich sehr unterschiedliche therapeutische Erfahrungen gemacht: eine Therapeutin, die mich für nicht therapiefähig hielt, eine andere, die mich in zehn Sitzungen „reparieren“ wollte, und eine, die mich immer wieder lautstark aus meinen historischen Gedankenschleifen herausgeholt hat. Auch das gehört zu meinem Weg mit Depression.

    Was mir außerdem lange gefehlt hat, war eine Gemeinschaft von Menschen, die ähnliche Erfahrungen machen. Menschen, die sich gegenseitig zuhören, Halt geben und Mut machen. Viele Selbsthilfegruppen, die ich kennengelernt habe, fühlten sich für mich eher wie ein Jammertal an. Vielleicht habe ich noch nicht die richtigen Gruppen gefunden – ich bin sicher, dass es auch andere gibt.

    Und vielleicht entsteht hier genau so ein Ort. Ein Ort für Austausch, Verständnis und kleine Schritte nach vorn. Denn mein Weg mit Depression ist noch lange nicht zu Ende.

    Was bleibt …

    … ist meine Erfahrung

    Wenn ich heute auf meinen Weg zurückblicke, sehe ich keinen geraden Weg und schon gar keinen Masterplan. Vielmehr waren es viele kleine Schritte, Umwege, Zweifel und Erfahrungen, die sich im Laufe der Jahre zu etwas Sinnvollem zusammengefügt haben.

    Meine erste Begegnung mit Depression, die Entdeckung von Bewegung als Ressource, Yoga und Selbstreflexion, der tiefe Einschnitt im Jahr 2023 – und schließlich die Idee zu dieser Website. Jeder dieser Momente hat mich ein Stück weitergeführt, auch wenn ich das damals oft noch gar nicht erkennen konnte.

    Es gab viele kleine momente in meinem Leben. Aber die entscheidenden fünf Wendepunkte waren:

    1 – Die erste Begegnung mit Depression
    2 – Bewegung als erste Ressource
    3 – Yoga und Selbsterkenntnis
    4 – Der Zusammenbruch 2023
    5 – Die Idee zu „Depression braucht bunt“

    Heute weiß ich: mein Weg mit Depression besteht nicht darin, die Krankheit irgendwann „abzuschließen“. Vielmehr geht es darum, immer wieder neue Wege zu finden, mit ihr zu leben – manchmal mutig, manchmal vorsichtig, manchmal auch einfach nur Schritt für Schritt.

    … und was ich dir mitgeben möchte

    Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Aber es gibt viele kleine Möglichkeiten, das eigene Leben ein Stück leichter zu machen.

    Genau darum geht es auch auf dieser Website.

    In den nächsten Beiträgen erzähle ich deshalb noch mehr darüber, warum „Depression braucht bunt“ entstanden ist, welche Vision hinter diesem Projekt steht und was ich mit meiner Arbeit eigentlich erreichen möchte.

    Von der Idee bis zur Zusammenarbeit

    „Einer von vieren: Erlebe die Evolution von ‚Depression braucht bunt‘ bis zur ‚Zusammenarbeit 2026‘. Klick dich durch meine vierteilige Beitragsreihe und begleite mich auf meinem Weg!“