Farbklecks der Woche ♦ Meditation & Atem

Den Nebel austricksen

Wie du deinem Kopf bei Brain Fog sanft unter die Arme greifst

Auf einen Blick

Der Moment

Ich stehe in der Küche, den Kühlschrank weit geöffnet, und starre auf die Butter. Was wollte ich hier noch mal herholen? Die Milch? Das Gemüse? Mein Kopf fühlt sich an wie eine dichte, graue Nebelwand. Bei einer Depression ist dieser „Brain Fog“ ein treuer, aber verdammt anstrengender Begleiter.

Ich mag diese Momente nicht, wenn das Denken zur Schwerstarbeit wird und einfache Dinge im Nebel verschwinden. Früher hat mich das in Panik versetzt. Heute weiß ich: Es ist kein Zeichen von Schwäche, sondern mein System läuft gerade im Energiesparmodus. Meine Antwort darauf: Druck rausnehmen, durchatmen und dem Gehirn die Brücke so kurz wie möglich bauen.

Der Farbklecks

Vielleicht hast du Lust bekommen, deinem Gehirn und deinem Gedächtnis wieder ein kleines bisschen mehr zuzutrauen – völlig ohne Leistungsdruck. Es geht hier ausdrücklich nicht um Höchstleistungen, sondern um ein rundum freundliches Umgang mit dir selbst.

Nehmen wir ein praktisches Beispiel: Du möchtest dir eine wichtige Telefonnummer merken – zum Beispiel die deiner besten Freundin. Bis zu 13 Ziffern sind eine ganz schön lange Schlange für einen müden Kopf. Mit diesen vier spielerischen Tricks machst du es deinem System so leicht wie möglich:

Tipp 1: Chunking (Zahlen-Häppchen)

Unser Gehirn liebt Portionen. Teile eine lange Reihe wie 01761234567 in kleine Päckchen auf. Ein knackiges 0176 - 123 - 45 - 67 lässt sich viel leichter greifen.

Tipp 2: Zahlen-Lego (Geschichten erfinden)

Verbinde die Ziffern mit einer kleinen Story. Zum Beispiel: „Ich gehe 1, 2 Schritte auf meine Freundin zu und wir bestellen 3 oder 4 Tassen Kaffee und dazu 6 bis 7 Stücke Kuchen. Erlaubt ist, was dir Spaß macht und sich unbeschwert anfühlt.

Tipp 3: Das 60-Sekunden-Ritual:

Sag dir die Nummer ganz ohne Stress in einem ruhigen Moment vor – morgens nach dem Aufstehen oder abends vor dem Einschlafen. Ohne den Zwang, sie sofort fehlerfrei parat haben zu müssen.

Tipp 4: Mit allen Sinnen lernen:

Sprich die Nummer laut aus, tippe sie blind in die Luft oder schreibe sie mit einem schönen Stift auf ein Stück Papier. Welcher Sinneskanal hilft deinem Gehirn im Moment am meisten?

Mein Extra-Tipp für dich: Such dir eine einzige, wirklich wichtige „Notfall-Nummer“ aus (Partner, Therapeutin oder Krisendienst). Wenn du dir diese eine Nummer bewusst merkst, schenkt dir das ein tiefes Gefühl von innerer Sicherheit. Speicher sie trotzdem im Handy ab; es geht hier rein um das beruhigende Gefühl im Kopf!

Der Anker

Warum verhält sich das Gehirn bei einer Depression überhaupt so? Brain Fog ist keine Einbildung, sondern reine Biologie. Wenn der Körper durch die depressive Episode chronisch überlastet ist, schützt er sich, indem er die kognitiven Funktionen herunterfährt. Die Reizweiterleitung verlangsamt sich, und der Bereich, der für das Kurzzeitgedächtnis zuständig ist, bekommt weniger Energie ab.

Die spielerischen Übungen oben sind kein Gehirnjogging, um dich zu optimieren. Sie sind eine sanfte Einladung, die ausgetretenen, blockierten Pfade im Kopf über kleine „Schleichwege“ (wie Reime, Bilder oder Berührungen) zu umgehen. Jedes Mal, wenn du dir ohne Druck ein kleines Häppchen merkst, schüttet dein Gehirn einen Funken Dopamin aus. Das signalisiert deinem System: „Ich kann doch noch etwas bewirken.“ Ein winziger Farbklecks gegen die gefühlte Ohnmacht.

Und jetzt du

Welche Nummer könntest du heute noch im Schlaf aufsagen? Und welche willst oder kannst du dir partout nicht merken? Lass es mich in den Kommentaren wissen!

Stefanie Koch - locker in die Kamera lächelnd; Verabschiedung"Depression ist Bunt"

Wenn du dich in diesem Nebel wiedererkennst: Du bist hier nicht allein – und bunt ist absolut erlaubt.

Deine Stefanie

Für die Wissensdurstigen: Ein Blick hinter den Farbklecks

Worum es hier nicht geht

Dieser Impuls soll den Gehirnnebel nicht auf magische Weise wegzaubern. Er ist kein medizinisches Heilversprechen und kein kognitives Bootcamp. Wenn dein Kopf heute dichtbleibt, ist das völlig okay und Teil der Depression – kein Fehler.

Das Phänomen des Brain Fog bei Depressionen hängt eng mit der veränderten Neurochemie und einem erhöhten Cortisolspiegel zusammen. Der Körper konzentriert sich auf das pure Überleben und spart Energie beim logischen Denken ein. Durch multisensorische Reize (Sprechen, Schreiben, Fühlen) sprechen wir alternative Areale im Gehirn an und entlasten den blockierten Hauptpfad.

Dieser Farbklecks basiert auf meinem großen Expertenartikel

Dort erfährst du im Detail, was die Neurobiologie zu kognitiven Einschränkungen sagt und wie wir uns den Alltag strukturell erleichtern können.

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