Der Sommer 2026 ist Geschichte – und wenn ich ehrlich bin, bin ich nicht traurig darüber. Während draußen die Temperaturen unbarmherzig kletterten und gefühlt die ganze Welt gut gelaunt im Biergarten saß oder Urlaubsfotos postete, habe ich vor allem eines getan: versucht zu überleben. Dieser Sommer war für mich eine physische und psychische Zerreißprobe. Er war heiß, drückend und von einer Sommerdepression gelähmt, die sich heimtückisch unter dem Deckmantel von „Es ist einfach zu heiß für alles“ breitgemacht hat.
Aber der Reihe nach. Dieser Rückblick ist für mich dreierlei:
- Eine ehrliche Erinnerung an mich selbst,
- ein authentischer Impuls für all die wunderbaren Frauen in der Lebensmitte, die sich manchmal genau so unsichtbar und erschöpft fühlen wie ich,
- und ein Kompass für die kommenden Monate.
Denn jetzt steht der Herbst vor der Tür – meine absolute Lieblingsjahreszeit – und mit ihm die Motivation, die Enge der Couch zu verlassen und mein Leben wieder in lebendigem Orange erstrahlen zu lassen.
1. Das Wichtigste zuerst: Zahlen, Fakten & Sommer-Realität
Highlight & Flop des Sommers
Mein größtes Highlight? Ganz banal: Ich habe diesen Sommer überlebt. Trotz physischer Hitzerekorde und psychischer Grenzerfahrungen stehe ich am Ende dieses Quartals auf meinen eigenen Beinen. Der Flop war ohne Frage mein Redaktionsplan. Ich hatte mir so viel vorgenommen, wollte Beiträge vorproduzieren, Reels drehen und meine Social-Media-Präsenz ausbauen. Das Ergebnis? Eine unerbittliche Schreibblockade, die mich von Juli bis August kein einziges neues Wort in den Computer tippen ließ.
Zahl des Monats: 40 Grad
40 Grad Hitzerekord. Eine solche Temperatur habe ich in meinen 56 Lebensjahren in Deutschland noch nie persönlich erlebt – und ich kann dankend darauf verzichten, das jemals zu wiederholen. Wenn das Thermometer solche Höhen erreicht, schmilzt meine Energie noch schneller als ein Kugel Eis in der Sonne.
Der 90-Euro-Knall zum Start ins zweite Halbjahr
Das zweite Halbjahr startete direkt mit einem Paukenschlag: Die Wohnungstür fiel hinter mir ins Schloss. Der Schlüssel? Steckte natürlich von innen. Da stand ich nun, schaute mir meine eigene Tür von außen an und durfte knapp 30 Minuten auf den Schlüsseldienst warten. Der brauchte für das Öffnen nicht einmal eine Minute. Kostenpunkt für diesen kurzen Schreck moment: exakt 90 Euro. Mein Learning daraus: Wenn ich die Wohnung verlasse, vergewissere ich mich lieber dreimal, dass der Schlüssel in der Tasche ist.
Kindheitserinnerungen an Föhr vs. Sommerdepression
Ich bin ehrlich: Ich war noch nie eine große Freundin des Sommers. Schon in meiner Kindheit in Schleswig-Holstein war mir diese Jahreszeit eher suspekt. Während Mitschülerinnen von aufregenden Reisen nach Italien, Spanien oder Flugreisen erzählten, fuhren wir jedes Jahr nach Föhr. Drei Wochen Ferienwohnung in Wyk, Sand zwischen den Zehen, Strandkorb und mindestens zwei Wochen Schietwetter. Das Spannendste an der Anreise war die Frage, ob unsere Fähre ein Bordrestaurant über oder unter Wasser hatte. Heute mag ich das Berechenbare der Insel zwar ganz gerne, aber damals war es für mich die pure Unspektakularität. Im August, wenn es in Norddeutschland endlich mal warm wurde, saß ich schon wieder in der Schule.
Später in meinen 20ern und 30ern war ich so sehr im Funktionsmodus gefangen, dass der Sommer an mir vorbeirauschte. Und heute, nach vielen Jahren in Franken, spüre ich den Druck dieser Jahreszeit intensiver denn je. Im Sommer gibt es dieses ungeschriebene Gesetz: Du musst gut gelaunt sein, Grillen (furchtbar!), Biergärten besuchen und das Leben genießen. Wenn ich dann als alleinlebende Frau mit einer Sommerdepression zu Hause sitze, fühle ich mich doppelt falsch. Die Sommerdepression gaukelt mir vor, ich verpasse das ganze Leben, während mein Nervensystem schlicht überfordert ist.
2. Gesundheit, Therapie & Grenzen setzen
Die vergangenen Monate haben mir meine persönlichen Grenzen deutlicher aufgezeigt als je zuvor. Jahrelang war ich darauf konditioniert, zu funktionieren und unangenehme Situationen einfach runterzuschlucken. Meine alten Glaubenssätze meldeten sich in Dauerschleife:
- Stell dich nicht so an.
- Reiß dich zusammen.
- Nimm dich nicht so wichtig.
- Augen zu und durch.
Grenzen wahren in der Physiotherapie
Bei einer Physiotherapie-Sitzung kam es diesen Sommer zu einer deutlichen Grenzüberschreitung, die mich tief erschüttert hat. Früher hätte ich das Thema totgeschwiegen und mich gefragt, ob ich nicht überreagiere. Diesmal habe ich erkannt: Wenn mir etwas unangenehm ist, habe ich das Recht, „Stop“ zu sagen. Ich darf Situationen ansprechen, verändern oder mich komplett entziehen. Das war ein schmerzhaftes, aber enorm wichtiges Learning auf meinem Weg aus der Anpassung. Die Physiotherapiepraxis wird künftig gewechselt.
Der Entschluss zur Tagesklinik
Aufgrund meiner Sozialphobie und der anhaltenden Erschöpfung habe ich gemeinsam mit meiner Neurologin und Therapeutin den Entschluss gefasst, Hilfe in einer Tagesklinik in Anspruch zu nehmen. Vor einigen Jahren hätte ich den kompletten Papierkram und die Telefonate an einem einzigen Tag erledigt. Heute brauche ich dafür Wochen. Meine Depression macht mich einfach langsam – und ich lerne akzeptieren, dass das okay ist.
Arztfrust & Konsequenzen
Auch der Versuch, ein einfaches großes Blutbild bei einer Allgemeinmedizinerin zu bekommen, wurde zum Geduldsspiel: Wochenlange Wartezeiten, Verkaufsveranstaltungen für kostenpflichtige Zusatzleistungen, ein versauter Rock durch eine schlecht abgedichtete Einstichstelle und am Ende die Auswertung des völlig falschen (kleinen) Blutbildes. Mein Entschluss steht fest: Ich suche mir eine neue Hausarztpraxis, in der ich als Mensch wahrgenommen werde.
Abschied von toxischen Altlasten
Ein echter Befreiungsschlag gelang mir beim Thema Kontakte. Ein Bekannter aus meiner Klinikzeit (2024) meldete sich regelmäßig nur, wenn er ein Ventil für seine eigenen Probleme brauchte. Als er plötzlich aus dem Nichts persönlicher werden wollte und ich nach seinen Hintergründen fragte, reagierte er passiv-aggressiv und blockierte mich. Anstatt mir wie früher Tag und Nacht den Kopf zu zerbrechen („War ich unhöflich? Brauchte er Hilfe?“), spürte ich nach kurzer Zeit nur noch Erleichterung. Ich habe den Kontakt gelöscht und einen Schlussstrich gezogen. Das Eisblau weicht langsam der Selbsterkenntnis.
3. Business & Content-Strategie: Zwischen Schreibblockade und Neusortierung
Arbeitstechnisch war dieser Sommer ein ständiges Pendeln zwischen kreativen Ideen im Kopf und absoluter Lähmung bei der Umsetzung. Ich habe unzählige Stunden damit verbracht, mit meiner KI Ideen durchzusprechen, Notion-Datenbanken zu verfeinern und Farbpaletten zu planen. Auf dem Papier landete jedoch monatelang nichts. Die enge Verbindung zwischen Couch und Hintern schien untrennbar zu sein.
Technischer Neuanfang & der WordPress-Virus
Doch hinter den Kulissen hat sich technisch viel getan. Ich habe mich von Microsoft Office verabschiedet und nutze nun das Google Universum als zentralen Sparringspartner. Im August folgte dann der Super-GAU: Meine Website wurde von einem hartnäckigen WordPress-Virus befallen. Nichts ging mehr. Nach tagelangem Experimentieren gab es nur eine Lösung: Die komplette Seite plattmachen und neu aufsetzen. Nach zwei Wochen intensiver Arbeit war die Website wieder online – und der Wechsel vom Elementor-Editor zum Gutenberg-Editor vollzogen. Auch wenn mir Elementor nach fünf Jahren vertraut war, klappt der Austausch zwischen Google Docs und Gutenberg einfach viel geschmeidiger.
Blog-Buddies & Community-Gedanken
Ein großer Lichtblick waren meine Blog-Buddies. Obwohl mir soziale Kontakte im Sommer oft zu viel waren, haben mich die 1:1-Austausche inspiriert und geerdet. Großgruppen-Coachings rauben mir oft die Energie, aber der persönliche Austausch auf Augenhöhe ist unbezahlbar. In mir reift langsam die Idee heran, nach meiner Zeit im TCS-Netzwerk eine eigene kleine, feine Blog-Community für Frauen aufzubauen, die sich gegenseitig stärken.
4. Alltag, Haushaltsmanagement & Ben
Wenn die Energie im Innen fehlt, fällt der Blick auf das Äußere oft doppelt schwer. In meiner Wohnung gab es zwei große Baustellen, die mir schon lange ein Dorn im Auge waren: die Küchenschränke und mein digitaler Datenmüll.
Radikalschlag im digitalen & analogen Alltag
An einem der heißesten Tage des Sommers habe ich mich endlich an die Küche getraut. Ich habe abgelaufene Vorräte entsorgt und Utensilien für den Secondhand-Laden aussortiert.
Noch drastischer war ich bei meiner digitalen Ablage: Über die Jahre hatten sich knapp 1.000 Dateien mit Zitaten, Sprüchen und alten Newslettern angesammelt. Statt wertvolle Rechenleistung zu verschwenden, um alles von der KI taggen zu lassen, habe ich den Entschluss gefasst und alles gelöscht. Es war ein befreiendes Gefühl! Neues Wissen wird jetzt sofort strukturiert in Notion abgelegt.
Nur mein Kleiderschrank bleibt vorerst mein Endgegner. Zu vielen Kleidungsstücken gehören Erinnerungen an vergangene Zeiten, und der Wunsch, wieder in alte Größen hineinzupassen, lässt mich noch zögern.
Hund Ben: Taktgeber, Seelentröster & Therapiehund
Mein treuester Begleiter durch diesen heißen Sommer war mein Hund Ben. Er war der absolute Taktgeber für meinen Tag. Wegen der extremen Hitze mussten wir unsere großen Runden auf die frühen Morgenstunden zwischen 6 und 8 Uhr verlegen. Mittags ging es nur kurz um den Block und abends erst nach 21 Uhr wieder raus. Ben ist freiwillig in die Badewanne gesprungen, um sich abzukühlen, und wir haben gelernt, jeden Schattenfleck bewusst zu nutzen.
Besonders stolz bin ich darauf, dass Ben seit Juni als Therapiehund im Einsatz ist. Nach einem kurzen Fehlstart in einer Einrichtung sind wir seit Juli regelmäßig in einem Demenzzentrum unterwegs. Trotz der Sorge um sein Auge (eine erneute Operation steht im Raum) gibt uns dieser Einsatz im Demenzzentrum so viel positive Energie zurück. Ben bringt Leben und Lächeln in den Alltag der Menschen – und das erwärmt auch mein Herz.
5. Mindset, Minimalismus & Ausblick auf den Herbst
Dieser Sommer hat in mir eine tief sitzende Sehnsucht geweckt: Der Wunsch nach einem radikalen Neuanfang. Ich möchte den ganzen Ballast meines bisherigen Lebens hinter mir lassen. Das Gedankenspiel, bei einem eventuellen Umzug in den Norden nur mit einem Kleintransporter voll Technik und Kleidung zu starten und Möbel sowie altes Hab und Gut komplett zu verkaufen oder zu verschenken, nimmt immer konkretere Formen an. Minimalismus bedeutet für mich Freiheit.
Ich habe lange genug mit mir, meinem Mindset und den ständigen Fragen gekämpft: „Kann ich das? Reicht das? Braucht das jemand?“ Ich habe erkannt, dass die Perfektionsfalle mich lähmte. Doch jetzt, wo die Tage kürzer werden und die Luft frischer wird, spüre ich, wie die Lebensgeister zurückkehren. Das eisblaue Erstarren löst sich auf und macht Platz für ein warmes, lebendiges Orange.
6. Ausblick, Ziele & Community-Frage
Ich starte in den Herbst mit klarer Ausrichtung und ohne übertriebenen Druck, aber mit dem festen Willen, sichtbar zu werden und meine Impulse zu teilen.
Mein Motto für die kommenden Wochen
„Das Leben leben – mutig, bunt und in meinem eigenen Tempo.“
Meine 3 konkreten To-Dos im Business
- Wieder regelmäßig schreiben: Den Blog mit authentischen Inhalten füllen und die Schreibblockade endgültig verabschieden.
- Social Media mit Freude gestalten: Instagram und Reels nicht als Zwang sehen, sondern als spielerische Möglichkeit für echte Verbindungen.
- Ein erstes Freebie fertigstellen: Einen wertvollen, bunten Impuls für alleinstehende Frauen in der Lebensmitte kreieren.
Meine 3 konkreten To-Dos in meinem Leben
- einmal im Monat Kino, in die Oper, ein Konzert oder ins Theater gehen
- einmal in der Woche alleine ein Cafe oder Restaurant besuchen
- einmal am Tag etwas nur für mich machen (Sport, Lesen, Nichtstun)
Meine Frage an dich
Wie war dein Sommer 2026? Hast du dich auch durch heiße Tage und mentale Tiefs gekämpft oder konntest du Energie tanken? Und vor allem: Welches Gefühl oder welche Farbe wünschst du dir für deinen Herbst? Schreib es mir unbedingt in die Kommentare – ich freue mich auf den Austausch mit dir!






