Trauma und Yoga

Wie du zurück ins Spüren findest

Bild von Stefanie Koch
Stefanie Koch

Mindset Mentorin

Trauma und Yoga

Wie du zurück ins Spüren findest

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Stefanie Koch

Mindset Mentorin

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade “Gesellschaft & Trauma – Was bewegt euch, wenn ihr hinseht? ” von Die Nikas. 👉 Hier geht’s zur Blogparade 2025 – mach gerne mit!

Der 21.06.2025 ist der „Internationale Yoga-Tag“ – ich finde einen besseren Tag gibt es nicht um diesen Beitrag zu veröffentlichen, gibt es nicht.

Trauma ist nicht die Deluxe-Version deines geplatzten Traums. Eher das Gegenteil. Manchmal fühlt es sich an wie ein innerer Nebel, manchmal wie ein Dauerdruck auf der Brust. Und manchmal ist einfach… nichts. Leere. Erstarrung. Rückzug.

Ich weiß, wovon ich spreche – oder besser: ich weiß, wie es sich anfühlt. Schon als Baby war ich still. Nicht dieses friedliche „alles-ist-gut“-Still, sondern eher ein „ich-zieh-mich-zurück“-Still. Während andere Babys schrien, lag ich stundenlang ruhig in meinem Wagen. Mein Lieblingsspielzeug? Meine Füße. Happy Baby Pose war damals kein Asana – sondern einfach ich. Ganz bei mir. Und sehr viel allein.

Heute weiß ich: das war keine bewusste Entscheidung, sondern eine Überlebensstrategie. Bindung war damals schwierig, also habe ich sie irgendwann nicht mehr gesucht. Und dieser Schutzpanzer, der in meiner Kindheit so gut funktioniert hat, ist mir auch im Erwachsenenleben lange geblieben. Gut funktionierend – aber innerlich abgekoppelt.

Sanft, sicher, selbstbestimmt – Yoga bei Trauma-Erfahrung

Was genau ist eigentlich ein Trauma?

Trauma“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet schlicht: Verletzung. Sowohl physisch, als auch psychisch. Meist denken wir dabei an große Ereignisse – Naturkatastrophen, Gewalt, Krieg. Aber Trauma ist nicht immer laut. Es kann auch leise passieren. In kleinen Momenten von Überforderung, Übergriffigkeit oder dem schmerzhaften Fehlen von Sicherheit und Bindung.

Nicht jeder Mensch, der Schlimmes erlebt, entwickelt ein Trauma. Und nicht jede Traumatisierung zeigt sich gleich. Manche Menschen frieren innerlich ein, andere reagieren mit Angst oder Rückzug. Wieder andere funktionieren einfach weiter – äußerlich unauffällig, innerlich abgeschnitten. Und wieder andere schütteln sich kurz und machen unbelastet einfach weiter.

Trauma ist also weniger das Ereignis an sich, sondern vielmehr das, was in uns passiert, wenn etwas zu viel, zu schnell oder zu heftig ist – und wir keine Möglichkeit haben, es zu verarbeiten. Es speichert sich im Körper, im Nervensystem. Und genau da setzt Yoga an.

Wenn der Körper kein Zuhause mehr ist

Viele Menschen mit Traumaerfahrungen fühlen sich vom eigenen Körper entfremdet. Vielleicht kennst du das Gefühl, irgendwie „nicht ganz da“ zu sein. Oder dich selbst nicht richtig zu spüren. Vielleicht ist dein Körper kein sicherer Ort mehr – eher ein Erinnerungsspeicher voller unangenehmer Empfindungen.

Und dann kommt jemand und sagt: „Hör in dich hinein.“
Tja – leichter gesagt als getan, oder?

Aber genau hier beginnt die Kraft von Yoga. Nicht im perfekten herabschauenden Hund oder dem schönsten Sonnengruß. Sondern in der Erlaubnis, langsam wieder Verbindung aufzubauen. Zu spüren: „Ich bin hier. Ich darf atmen. Ich bin sicher.“

Yoga kann kein Trauma heilen. Und es ersetzt keine Therapie. Aber es kann ein liebevoller Begleiter auf deinem Weg sein. Ein Raum, in dem du wieder Kontakt aufbauen darfst – zu deinem Körper, deinem Atem, deinem Inneren.

Drei Wege zurück ins Spüren – wie Yoga bei Trauma unterstützen kann

Wenn wir über Yoga im Zusammenhang mit Trauma sprechen, ist wichtig: Es gibt nicht den einen richtigen Ansatz. Es gibt verschiedene Wege – und welcher gerade passt, hängt davon ab, wo du stehst, was du brauchst und wie viel Nähe du zu deinem Körper zulassen kannst.

Ich stelle dir hier drei Zugänge vor, die alle dasselbe Ziel haben: dich liebevoll zurück in deinen Körper zu begleiten – Schritt für Schritt.

Somatisches Yoga – dein Körper als Kompass

Somatisches Yoga ist ein eigener Yoga Stil. Es ist wie ein langsames Wiederankommen. Nicht im Sinne von „Mach diese Pose exakt so!“, sondern eher: „Wie fühlt sich dein rechter Fuß heute an?“

Es geht ums Spüren, nicht ums Perfektionieren. Du folgst nicht einer äußeren Ansage, sondern deiner inneren Wahrnehmung. Manchmal bedeutet das: kaum Bewegung. Nur Atmen. Lauschen. Spüren, wo dein Körper heute ein kleines Ja hat.

Was dir somatisches Yoga schenken kann:

Besonders für Menschen mit Traumaerfahrung kann das unglaublich wohltuend sein. Endlich mal nichts leisten müssen. Nur da sein. Und langsam wieder fühlen: Ich bin. Ich darf.

Traumasensibles Yoga – Sicherheit durch Haltung

Traumasensibles Yoga ist kein eigener Yogastil, sondern eine Grundhaltung im Unterricht. Es geht um Sicherheit – nicht nur körperlich, sondern emotional und zwischenmenschlich.

Als Yogalehrerin frage ich mich: Was braucht es, damit du dich sicher fühlen kannst? Wie kann ich dich einladen – ohne zu fordern? Wie vermeide ich Druck oder Trigger?

Das bedeutet traumasensibler Yoga konkret:

 Ich gestalte jede meiner Stunden so – nicht nur für Menschen mit Traumaerfahrung, sondern weil ich glaube, dass wir alle etwas mehr Sanftheit gebrauchen können.

Traumasensitives Yoga – Begleitung mit therapeutischem Hintergrund

Traumasensitives Yoga geht noch einen Schritt weiter. Es richtet sich gezielt an Menschen mit konkreten Traumafolgestörungen – oft in Kombination mit Therapie.

Hier geht’s ums Nervensystem. Um Regulation. Um Halt. Oft arbeiten Lehrpersonen mit zusätzlichem Wissen aus Somatic Experiencing®, Polyvagal-Theorie oder körperorientierter Traumatherapie.

Typische Elemente sind zum Beispiel:

Wichtig: Das braucht fundierte Weiterbildung. Aber es ist ein wertvoller Baustein für Menschen, die ihren Körper (wieder) als Heimat erleben möchten – ganz behutsam, ganz präsent.

Wenn du dich fragst, was „dein“ Yoga ist – dann gilt: Hör auf dein Tempo. Dein Körper weiß, was gut für dich ist. Und du darfst jederzeit sagen: „So, wie es heute ist, ist es genug.“

Wer die Wahl hat, hat die Möglichkeit

Wenn du dich fragst, welcher Yoga-Weg für dich passt, dann vertraue deinem Tempo. Dein Körper weiß oft besser als der Kopf, was gerade gut ist. Und du darfst jederzeit sagen: „So, wie es heute ist, ist es genug.“

Was ist für mich gerade richtig?

Finde deinen passenden Yoga-Zugang bei Trauma oder hoher Belastung:

Sanftes Spüren, innere Wahrnehmung und Selbstregulation. Kein „richtig oder falsch“, nur: Wie fühlt sich das für mich an?

Keine eigene Methode, sondern eine Haltung: respektvoll, sanft, ohne Druck – für alle, die sich Sicherheit wünschen.

Yoga mit traumatherapeutischem Wissen – oft im Einzelsetting oder als Teil eines Therapiekonzepts.

Wenn du mit konkreten Traumafolgen lebst, ist es wichtig, dich nur von gut ausgebildeten traumasensitiven Yogalehrerinnen oder Therapeutinnen begleiten zu lassen – idealerweise in enger Absprache mit deinen behandelnden Ärzt:innen oder Therapeut:innen. Gerade zu Beginn kann eine Einzelstunde sinnvoll sein, um in sicherem Rahmen erste Erfahrungen zu sammeln.

Für viele ist somatisches Yoga ein wunderbarer Einstieg: Du wirst eingeladen, dich selbst wieder zu spüren – sanft, langsam und ohne Druck. Und egal, für welche Form du dich entscheidest: Deine Yogalehrerin sollte dich sensibel begleiten – mit Offenheit, Achtsamkeit und dem Wissen, dass im Yoga nichts wichtiger ist als Sicherheit und Selbstbestimmung.

Was bleibt – und was ich dir mitgeben möchte

Vielleicht liest du das hier und denkst: Das klingt gut – aber ich weiß nicht, ob ich mich traue.
Vielleicht hast du schon Yoga ausprobiert und bist innerlich ausgestiegen. Vielleicht hast du dich noch nie getraut, überhaupt damit anzufangen.
Dann möchte ich dir sagen: Du bist nicht falsch. Und es ist völlig okay, wenn dein Tempo langsam ist.

Trauma bringt das Nervensystem aus dem Takt – und genau deshalb braucht es liebevolle, geduldige Wege zurück in den Körper. Yoga kann so ein Weg sein. Kein Allheilmittel, kein Zaubertrick. Aber ein Raum, in dem du langsam wieder landen darfst.

Ich wünsche dir, dass du solche Räume findest.
Oder selbst erschaffst – für dich oder andere.
Mit viel Spüren. Viel Ja. Und ganz viel Sicherheit.

Danke, dass du bis hierher gelesen hast.
Vielleicht hast du jetzt Lust, deine Füße zu spüren. Oder einfach ein bisschen tiefer zu atmen. Beides wäre ein Anfang.

Namasté 
Deine Stefanie

Deine Entscheidungshilfe für zu Hause

Du möchtest herausfinden, welcher Yogaweg dich bei Trauma oder innerer Anspannung unterstützen kann? In dieser Checkliste findest du eine klare Übersicht über drei traumasensible Ansätze – kompakt, verständlich und liebevoll gestaltet.

Fühl.

Dich.

Echt.

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Stefanie Koch

ERFAHRUNGSBOTSCHAFTERIN
Ich schreibe über das, was ich kenne — aus eigener Erfahrung, ohne Schönfärberei. Depression braucht bunt ist mein Weg, meinen Weg zu teilen.

mehr über mich

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Mir liegt deine Gesundheit am Herzen. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, dass ich dich als Mentorin und Coachin auf deinem Weg zu Klarheit und Selbstverbindung begleite, aber keine Ärztin oder Therapeutin bin.

  • Begleitung statt Behandlung: Meine Angebote sind als Prävention und Unterstützung gedacht. Sie sind ein wertvoller Wegbegleiter, aber kein Ersatz für eine Psychotherapie oder eine medizinische und psychiatrische Behandlung. Wenn du an einer Depression leidest oder unsicher bist, was gerade mit dir los ist, nimm bitte zusätzlich immer Kontakt zu deiner Ärztin/deinem Arzt oder deiner Therapeutin/deinem Therapeuten auf.
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  • Inspiration ohne Gewähr: Alle Inhalte auf dieser Seite habe ich mit größter Sorgfalt und nach bestem Wissen für dich recherchiert. Dennoch kann ich keine Gewähr für die Vollständigkeit oder Aktualität übernehmen. Die Texte dienen deiner Information und Inspiration. Sie können und sollen eine individuelle therapeutische Beratung nicht ersetzen.
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